Weiterer Ölpreisverfall ist gefährliche Drohung

Analyse14. Jänner 2016, 07:00
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Fossile Billigenergie verleitet zu grundfalschen Investitionsentscheidungen, die Ölfirmen rücken zusammen

Wien – BP streicht 4.000 Stellen in der Produktion, Exxon und Shell haben schon 2015 die Investionsbremse gezogen, wie die OMV auch. Nun ist bei Öldienstleistern Feuer am Dach. Halliburton will den Rivalen Baker Hughes um 35 Milliarden Dollar kaufen in der Hoffnung, durch Synergien und eine dominantere Stellung die Ölpreis-Baisse zu verkraften.

Halliburton und Baker Hughes, die beiden US-Konzerne, sind hinter Schlumberger die Nummern zwei und drei unter den weltgrößten Ölbohrfirmen. Die Branche spürt den Verfall der Ölpreise immer stärker, weil ihre Kunden, die großen Ölproduzenten, selbst jeden Dollar umdrehen müssen. Davon betroffen ist auch Schoeller Bleckmann Oilfield Equipment (SBO) in Ternitz. SBO liefert Spezialgestänge und Bohrmotoren an Schlumberger & Co – wegen der Umwälzungen auf dem Markt zuletzt weniger und weniger. Das ist freilich nur die Spitze des Eisbergs, der mit dem Verfall der Rohölpreise auseinanderzubrechen droht.

Preistrend zeigt nach unten

Auch wenn es kurzfristig Phasen der Erholung geben mag wie am Dienstag, als die US-Sorte WTI und das für Europa preisbestimmende Nordseeöl Brent etwas höher als am Tag davor notierten: Der Trend zeigt auf absehbare Zeit nach unten.

Das liegt an der Ölschwemme, die es seit geraumer Zeit gibt. Anbieter mit niedrigen Kosten wie Saudi-Arabien versuchen Produzenten mit vergleichsweise hohen Kosten vom Markt zu drängen. US-Frackingfirmen, die teurer produzieren, zeigen langsam Wirkung. Eine ähnliche Situation gab es kurz nach der Asienkrise Ende der 1990er-Jahre sowie Mitte der 1980er. Damals hatte Nordseeöl, ähnlich wie heute Schieferöl, die Saudis in Bedrängnis gebracht und einen Preiskampf ausgelöst.

Seit gut einem Jahr werden Tag für Tag 1,0 bis 1,5 Millionen Fass (159 Liter) Öl mehr produziert, als verbraucht werden. Manche schätzen das Überangebot sogar auf durchschnittlich zwei Millionen Fass pro Tag. Darin sind jahreszeitliche Schwankungen in Produktion und Verbrauch schon berücksichtigt.

Förderländer lenken nicht ein

Ohne Einlenken maßgeblicher Förderländer, allen voran Saudi-Arabien und Russland, wird sich nichts ändern. Schon wird ein Durchstoßen der 20-Dollar-Marke nach unten für möglich gehalten, nachdem auch die 30-Dollar-Grenze am Montag ohne Widerstand überwunden wurde. "Mit der derzeitigen Situation ist kein Ölproduzent zufrieden, aber keiner will nachgeben", brachte es Steffen Bukold, Leiter des Beratungsbüros Energycomment, im STANDARD-Gespräch auf den Punkt.

Für Autofahrer mag der Preisrutsch bei Öl auf den ersten Blick erfreulich sein. Benzin und Diesel kosten an vielen Tankstellen weniger als einen Euro pro Liter und sind damit günstig wie schon lange nicht. Mittelfristig werden aber jene, die sich jetzt ein Auto mit konventionellem Antrieb kaufen oder wegen vermeintlich günstiger Betriebskosten einen neuen Ölkessel anschaffen, bluten.

Lenkungsmaßnahmen

Denn entweder greift der Staat über eine höhere Dieselsteuer lenkend ein. Oder der Ölpreis und damit die Spritpreise werden mittelfristig durch die Macht des Faktischen in die Höhe katapultiert, weil Investitionen in neue Ölfelder nicht getätigt werden.

Besser wäre es, wenn die Politik falschen Investitionsentscheidungen vorbauen würde. Wie sonst sollen die Vereinbarungen der Klimakonferenz in Paris, wonach fossile Energien auf breiter Front zurückgedrängt werden sollen, eingehalten werden? (Günther Strobl, 14.1.2016)

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