Jänner-Loch im Tourismus vermutlich größer als 2015

13. Jänner 2016, 17:44
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Noch mehr russische Gäste feierten orthodoxe Weihnacht zuhause – Dennoch stabile Wintersaison erwartet

Wien – Die Geduld der Touristiker ist zuletzt auf eine harte Probe gestellt worden. Nur höher gelegene Skiorte konnten in Maßen Naturschnee vorweisen, vielfach bot sich dem Auge des Winterurlaubers nur braune Landschaft. Ohne Schneekanone gab es so gut wie kein Skifahren. Mittlerweile hat es geschneit, weiterer Schnee wird laut Prognosen kommen. Was dieser Tage fehlt, sind die Gäste.

"Das Jänner-Loch ist heuer noch etwas tiefer als im Vorjahr", schilderte die oberste Touristikerin in der Wirtschaftskammer Österreich, Petra Nocker-Schwarzenbacher, ihre Eindrücke. Nach Dreikönig geht es traditionell ruhiger zu in Österreichs Wintersportorten. Die Schulferien sind vorbei, für die meisten Väter und Mütter beginnt der Arbeitsalltag. Etliche Jahre war in ausgewählten Urlaubsorten von Ruhe im Jänner kaum etwas zu spüren. Grund waren Gäste aus Russland.

Orthodoxe Weihnacht

Jahr für Jahr kamen mehr Gäste privat oder per Charter aus Moskau oder St. Petersburg, um orthodoxe Weihnacht Anfang Jänner in Ischgl, Mayerhofen oder anderen Tourismus-Hotspots in den Alpen zu verbringen. Der Absturz des Rubel, Sanktionen und eine härtere politische Sprache zwischen Brüssel und Moskau bereitete dem Ganzen ein Ende. Schon im Jänner 2015 sind die Nächtigungen russischer Gäste in Österreich um fast 30 Prozent auf 393.000 eingebrochen. Im Jänner dieses Jahres dürfte es von dem niedrigeren Niveau nochmals nach unten gehen, zumal in Russland infolge der Krise Reiseunternehmen Pleite gegangen sind und das Reiseangebot geschrumpft ist.

"Die nächsten Tage ist es sehr ruhig, ab 20. Jänner sieht es wieder besser aus und der Februar ist auch sehr zufriedenstellend", sagte Nocker-Schwarzenbacher. Weil Ostern heuer Ende März, und damit sehr früh im Jahr ist, sollte es dennoch möglich sein, die Nächtigungszahlen der vergangenen Wintersaison zu erreichen und ertragsmäßig gut auszusteigen. "Wenn es sehr gut läuft, könnten wir die Vorjahreszahlen (65,8 Millionen; Anm.) sogar um ein bis zwei Prozentpunkte übertreffen", sagte die Tourismusobfrau.

Urlaub trotz Schneemangels

Trotz Schneemangels hat kurz vor Weihnachten gut ein Drittel der Österreicher einen Winterurlaub geplant. Das hat das Market-Institut im Auftrag des Fachverbands Tourismus in 500 Telefoninterviews erfragt. Das Antwortverhalten auf diese Frage ist seit Jahren stabil. Immer gefragter sind Buchungsplattformen. Drei Viertel der Österreicher haben diesen Buchungsweg schon einmal gewählt.

Nocker-Schwarzenbacher sprach von "Fluch und Segen". Segen deshalb, weil Menschen erreicht würden, die man sonst nie erreiche. Fluch, weil booking.com und Co hohe Provisionen verlangten. Nun hofft man, dass die Bestpreisklausel fällt, die es Hoteliers verbietet, an der Rezeption einen günstigeren Preis zu gewähren als das Onlineportal. (stro, 14.1.2016)

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