Kräftiges Lobbying für neuen Handwerkerbonus

14. Jänner 2016, 08:00
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Gewerbe und Handwerk wollen eine Wiedereinführung der Maßnahme

Wien – Der erst im Vorjahr im Zuge der Steuerreform gekippte Handwerkerbonus soll wieder eingeführt werden – jedenfalls, wenn es nach den Vorstellungen der Wirtschaft geht. Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl macht sich ebenso stark dafür wie Renate Scheichelbauer-Schuster, Obfrau der Sparte Gewerbe und Handwerk. Auch Wifo-Chef Karl Aiginger spricht sich dafür aus – vor allem im Hinblick auf die Beschäftigungseffekte.

Die Pfuschbekämpfung, die sich die Regierung im Rahmen der Steuerreform auf die Fahnen geheftet hat, solle nicht ausschließlich über Verbote und Strafen bewerkstelligt werden, meinen die Befürworter des Bonus. Weiterhin müsse es auch Anreize dafür geben, dass es zu weniger Schwarzarbeit kommt. Der Handwerkerbonus, bei dem Renovierungs- und Erhaltungsarbeiten in Privathaushalten mit bis zu 600 Euro pro Jahr und Wohneinheit unterstützt wurden, sei da grosso modo ein praktikables Instrument gewesen, mit dem viele Ziele – Beschäftigung im Gewerbe, konjunkturelle Effekte und Vermeidung von Schwarzarbeit – erreicht worden seien.

Finanzministerium prüft

Das Finanzministerium evaluiert derzeit, ob und wie ein Handwerkerbonus – eventuell noch heuer – eingeführt werden sollte. Das Ministerium stützt sich dabei auf zwei Studien zum Thema. Eine vom Studie vom Institut für Höhere Studien (IHS), die dem Handwerkerbonus negativ ankreidet, für Mitnahmeeffekte offen zu sein: Haushalte, die sowieso eine Renovierung planten, legen diese Arbeiten zeitlich so, dass sie die 600 Euro Unterstützung mitnehmen können.

Anders eine Evaluierungsstudie des Linzer Universitätsprofessors Friedrich Schneider. Dieser legt den Schwerpunkt auf die Annahme, dass durch den Handwerkerbonus häufig Arbeiten versteuert wurden, die ansonsten beim Pfusch gelandet wären – und dann keine Steuereinnahmen für den Finanzminister gebracht hätten. In Schneiders Studie, die dem STANDARD vorliegt, wird davon ausgegangen, dass es statt einem Euro Steuerverlust dank Handwerkerbonus zu 1,20 Euro Steuergeld aus "zusätzlichen, jetzt legalen Aktivitäten" gekommen ist.

Topf mit 20 Millionen Euro

Grundsätzlich wird das Instrument als relativ günstig bewertet. Für 2014 stellte die Regierung zehn Millionen Euro bereit, für 2015 insgesamt 20 Millionen. Damit konnten Rechnungen von Handwerkern wie Installateuren, Bodenlegern, Tischlern oder Malern teilweise bezahlt werden.

Scheichelbauer-Schuster betont, dass sich in den Haushalten ein Investitionsrückstau gebildet habe. Nach der Steuerreform bleibe den Österreichern "mehr im Börsel", womit wiederum investiert werden könnte. "Jetzt sollte man dazu anregen, nachhaltig zu investieren, beispielsweise in den Bau, Stichwort Energieeinsparung und altersgerechte Umbauten, um so die Auftragslage der Handwerksbetriebe zu stärken." (Johanna Ruzicka, 14.1.2016)

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