Deutschland: Journalisten als Zielscheibe rechter Gewalt

13. Jänner 2016, 17:10
37 Postings

49 Angriffe auf Reporter und Kameraleute wurden 2015 registriert – Anstieg seit dem Entstehen der Pegida-Bewegung

Berlin – Journalisten in Deutschland werden einer Studie zufolge zunehmend Zielschreibe rechter Gewalt. Im vergangenen Jahr seien 49 Angriffe auf Reporter und Kameraleute registriert worden, sagte Martin Hoffmann vom Europäischen Zentrum für Presse- und Medienfreiheit (Leipzig) am Mittwoch vor dem Kulturausschuss des Bundestags.

Der massive Anstieg der Übergriffe sei seit dem Entstehen rechtspopulistischer Bewegungen wie Pegida zu verzeichnen. Mit 30 der 49 Fälle sei Sachsen eindeutig besonders betroffen.

"Kriegserklärung"

Der Chefredakteur des Mitteldeutschen Rundfunks, Stefan Raue, sagte, die Pegida-Bewegung beschwöre mit Vorwürfen wie "Lügenpresse" eine Art geistigen Bürgerkrieg. "Wir Medien dürfen diese Kriegserklärung nicht annehmen", sagte er. Auch die Leiterin des ZDF-Landesstudios Brandenburg, Britta Hilpert, warnte vor Angst und Einschüchterung. "Wir leben Gott sei Dank in einem Land mit Pressefreiheit. Aber wir stehen am Anfang einer Entwicklung, die ich jetzt beendet haben möchte."

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) startete am Mittwoch einen Blog (www.augenzeugen.info), in dem Berichte von rechtsextremen Übergriffen auf Reporter gesammelt und dokumentiert werden sollen. Viele Kollegen hätten inzwischen aber schon Angst, über Zwischenfälle zu berichten, sagte DJV-Bundeschef Frank Überall im Ausschuss. "Die Hemmschwelle zur Gewalt gegenüber Journalisten ist objektiv dramatisch gesunken." (APA, 13.1.2016)

  • Pegida-Kundgebung am 9. Jänner in Köln.
    foto: reuters / rattay

    Pegida-Kundgebung am 9. Jänner in Köln.

Share if you care.