"Top Secret": Innovatives Game macht Jagd auf Edward Snowden

16. Jänner 2016, 11:00
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Mit Inhalten aus Snowdens E-Mail-Konversationen – soll Aufmerksamkeit für Überwachung schaffen

Ist Edward Snowden ein Held, oder ein Verräter? Eine Frage, deren Antwort vor allem in den USA nicht unumstritten ist. Angeklagt ist er dort wegen Spionage und Diebstahl staatlicher Geheimnisse, weswegen der ehemalige NSA-Mitarbeiter die Rückkehr in seine Heimat auch weiterhin ablehnt.

Seine Leaks haben eine breite öffentliche Diskussion ins Rollen gebracht. Ihre Themen – Überwachung, Privatsphäre und Sicherheit – werden auch in Form eines Spiels aufgearbeitet werden. "Top Secret" versetzt seine Teilnehmer in die Rolle von neuen NSA-Agenten, die sich auf die Jagd nach ihrem einstigen Kollegen machen sollen.

Überwachungsanweisungen per E-Mail

Dabei arbeitet Entwickler James Long nicht im Rahmen klassischer Genres. Der Titel wird nämlich per E-Mail gespielt und soll sich über zwei Wochen in den Alltag seiner Teilnehmer integrieren. In schriftlichen Konversationen wird festgelegt, wen man ins Visier der Überwachung nehmen will, weil er oder sie mehr über den Verbleib von Snowden wissen könnte. Die Spannweite reicht von fiktionalen Charakteren bis hin zu tatsächlich existierenden Personen, wie Snowdens Partner Laura Poitras oder Glenn Greenwald.

Stück für Stück soll der Spieler das Puzzle zusammentragen. Die Antworten trudeln dabei nicht unmittelbar ein, sondern meist in Stundenabständen. Die fiktionale Überwachung liefert Telefonverbindungen, Browserverläufe und Kommunikationsmetadaten der gewählten Ziele, über die man sich zur nächsten potenziell interessanten Person hanteln kann. Für mehr Authenzität hat Snowden dafür unter anderem Auszüge aus E-Mail-Konversationen zwischen sich und Poitras freigegeben.

foto: top secret

Spielen mit Verschlüsselung

Der Spieler kann non-linear ermitteln und sich auch entscheiden, die Suche zu behindern und Snowden zu helfen. Konsequenzen des eigenen Handelns werden nie unmittelbar, sondern erst verzögert klar.

Es wird auch möglich sein, Freunde zu involvieren und sich beim Spielen auch Skills in Sachen Verschlüsselung anzueigenen, da für den E-Mail-Austausch mit dem Spielsystem auch PGP eingesetzt werden kann. Das Spielsystem selbst setzt auf Schlagwörter, um die Antworten und Anweisungen des Teilnehmers zu interpretieren, erläutert der Entwickler gegenüber Eurogamer.

Während man sich in die Rolle des Überwachers begibt, kann auch das Spiel selbst Ziel von Überwachung werden, erläutert Long – eben, weil es per E-Mail gespielt wird. Er will auch beobachten, ob diese Tatsache dazu führt, dass sich Spieler anders verhalten.

"Bin ein riesiger Fan von Snowden"

Er selbst leugnet seine Positionierung nicht. "Ich bin ein riesiger Fan von Snowden", bekennt Long. "Ich denke, die Regierung ist mit der Massenüberwachung zu weit gegangen." Dennoch soll das Spiel Argumente beider Seiten in diesem Konflikt aufzeigen, weswegen man auch in die Rolle eines NSA-Agenten schlüpft.

Dies soll es Spielern von "Top Secret" zu ermöglichen, ihre eigenen Schlüsse zu ziehen. Er selbst empfiehlt freilich, politischer Vertreter bezüglich neuer Überwachungsgesetze zu konfrontieren und verschlüsselt zu kommunizieren.

top secret

Spiel soll im Mai starten

"Leute, die ich treffe, machen Witze darüber, dass ich wohl schon auf einer Watchlist stehe. Andere scherzen, dass sie das Spiel nicht spielen werden, weil sie sonst auf einer solchen landen", so Long abschließend. "Wir denken, unser Verhalten wäre nicht betroffen, aber unsere Selbstzensur hat sich manifestiert und ist unentrinnbar."

Die Entwicklung von "Top Secret" hat er erfolgreich über Kickstarter finanziert, wo Mitte Dezember ein Betrag von 8.800 Euro zusammengekommen war. Interessenten können den Titel auch über die Homepage nachträglich unterstützen. Der geplante Start des Spieles ist im kommenden Mai. (gpi, 16.01.2015)

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