Chinas Sternzeichen: Wie die Affen hinter den Affen her

14. Jänner 2016, 09:00
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Der Karikaturist Huang Yongyu hat einen Affen mit zwei Jungen als Briefmarke entworfen – eine Anspielung auf das Ende der Einkindpolitik

Auf Pekings größtem Sammlermarkt Fulite drängten sich die Interessenten schon kurz nach der Öffnung am Morgen. Alle, die bei den ausverkauften Poststellen zu kurz kamen, wollten wenigstens dort die neue Briefmarke zum "hou-nian" ergattern, dem Jahr des Affen. Er ist das asiatische Wappentier für 2016, die Nummer neun im Zyklus der sich jährlich abwechselnden zwölf Tierkreiszeichen. Nach dem traditionellen Bauernkalender beginnt Chinas Neujahr zwar erst am 8. Februar, doch die Marken und Gedenkmünzen erschienen einen Monat früher. Die Bürger standen laut der Nachrichtenagentur Xinhua überall Schlange. Sie waren ihnen "wie die Affen hinterher".

Schuld daran ist auch Huang Yongyu, der bekannteste Zeichner und Karikaturist des Landes. Der 91-Jährige malte diesmal zwei Affenmotive: einen Affen mit Pfirsich als Symbol für langes Leben und einen weiteren Affen mit zwei Jungen. Das passte. Denn zum 1. Jänner hat Peking seine 1980 eingeführte Einkindpolitik aufgehoben und erlaubt allen Familien, wieder zwei Kinder zu bekommen. Huang wies augenzwinkernd jede Absicht zurück, auf die Geburtenkontrolle anzuspielen. Er hätte nur eine Affenfamilie malen wollen, zu deren Glück nun einmal zwei Affenkinder gehören.

Die begehrteste Briefmarke Chinas

Schon 1980 hatte Huang einen Affen gezeichnet. Damit begann auch die regelmäßige Herausgabe von Briefmarken mit Tierkreiszeichen zum Frühlingsfest. Huangs Affe von 1980 wurde zum begehrtesten Postwertzeichen der Volksrepublik.

Zwölf Yuan (1,70 Euro) kostet das neue Affenmarkenheft eigentlich – nun verlangen Händler einen Aufschlag von 400 Prozent. Das ist nichts im Vergleich mit der Wertsteigerung der Affenmarke von 1980. Einzeln kostet sie auf dem Fulite-Markt 13.500 Yuan (1800 Euro), für einen Viererblock zahlen Käufer den Gegenwert eines Kleinwagens.

Pekings Parteipolitik stand lange mit Briefmarken auf Kriegsfuß. Um 1957 wollte die Post sie erstmals einführen. Die Absicht scheiterte an Maos damaliger Hygienekampagne zur Ausrottung der "vier Übel". Mäuse und Ratten standen an erster Stelle der Abschussliste des Großen Vorsitzenden. Letztere aber kommen auch im Tierkreiszyklus an erster Stelle. Während der Kulturrevolution, als alte Sitten und Gebräuche verfolgt wurden, war daran erst recht nicht zu denken. Die erste Affenbriefmarke erschien deshalb eben erst im Jahr 1980.

Lebhaft, verspielt, smart

Die Figur des Affen übt besondere Ausstrahlung nicht nur auf alle aus, die in seinem Zeichen geboren sind. Nach chinesischer Deutung steht sie für Sekundärtugenden, die China für eine innovative Entwicklung dringend nötig hat, dafür, "lebhaft, verspielt und vor allem smart" zu sein.

Keine Tierfigur ist daher bekannter als der Affenkönig Sun, der im buddhistischen Volksroman Die Reise nach dem Westen alle Autoritäten auf Himmel und Erde herausfordert, mystische Kräfte besitzt und sich 72-mal verwandeln kann. Und das scheint in diesen turbulenten Zeiten auch in China wichtig zu sein. (Johnny Erling aus Peking, 14.1.2016)

  • Für den chinesischen Karikaturisten Huang Yongyu gehören zum Affenfamilienglück zwei Kinder.

    Für den chinesischen Karikaturisten Huang Yongyu gehören zum Affenfamilienglück zwei Kinder.

  • Andrang im Fulite-Sammlermarkt.
    erling

    Andrang im Fulite-Sammlermarkt.

  • Die von Huang Yongyu 1980 gezeichnete Affenbriefmarke. Ein Viererblock kostet heute umgerechnet um 6000 Euro.
    erling

    Die von Huang Yongyu 1980 gezeichnete Affenbriefmarke. Ein Viererblock kostet heute umgerechnet um 6000 Euro.

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