Neue Gerüchte über Nachweis von Gravitationswellen

13. Jänner 2016, 15:57
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Physiker sorgt mit Twitter-Meldungen für Unruhe – Am Projekt beteiligte US-Forscher wollen vorerst nichts bestätigen

Tempe/Wien – In den vergangenen Tagen machte zunächst unter Fachleuten und schnell auch in den Medien ein Gerücht von einer sensationellen Entdeckung die Runde: US-Physiker hätten Beweise für die Existenz von Gravitationswellen gefunden, hieß es. Seit Jahrzehnten sind Forscher auf der Suche nach diesen Verzerrungen der Raumzeit, die Albert Einstein im Rahmen seiner Allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagt hat und die bei der Beschleunigung großer Massen entstehen sollen. Mehrere große Detektoren fahnden mittlerweile nach ihnen, die Journale "Nature" und "Science" rechneten zuletzt damit, dass sie heuer oder spätestens nächstes Jahr nachgewiesen werden.

Nicht der erste Irrtum

Es wäre nicht das erste Mal, dass eine endlich geglückte Beobachtung von Gravitationswellen die Wogen hochgehen lässt – und sich dann doch als Irrtum entpuppt. Im März 2014 verkündete der US-Physiker Clement Pryke den vermeintlichen Erfolg: Das Bicep-2-Teleskop in der Antarktis habe Gravitationswellen eingefangen, die beim Urknall entstanden seien. Wenige Monate später musste Pryke kleinlaut eingestehen, dass die gemessenen Muster in Wahrheit von Staub aus unserer Milchstraße stammten.

Laut dem nun kursierenden Gemunkel sind Forscher am Laser Interferometer Gravitational-Wave Observatory (LIGO) in den USA den Gravitationswellen auf die Spur gekommen. Verkündet wurde der potenzielle Fund allerdings diesmal nicht von den beteiligten Wissenschaftern, sondern von Lawrence Krauss, einem theoretischen Physiker von der Arizona State University in Tempe. Laut seinen beiden Twitter-Meldungen, eine im vergangenen September und eine am 11. Jänner, haben "unabhängige Quellen", die die Daten selbst gesehen hätten, die bahnbrechende Entdeckung verraten.

Die LIGO-Forscher zeigten sich wenig begeistert von der voreiligen Kundmachung und wollten das Gerücht zunächst nicht bestätigen. "Weder haben wir alle Daten beisammen, noch sind wir mit der Analyse fertig", erklärte LIGO-Sprecherin Gabriela Gonzalez. "Aber sobald es wichtige Neuigkeiten gibt, werden wir sie selbstverständlich mitteilen." (tberg, 13.1.2016)

  • Das Observatorium in Livingston, Louisiana, ist einer von zwei LIGO-Detektoren, die mithilfe von L-förmigen Ultrahochvakuumsystemen mit Schenkellängen von jeweils vier Kilometern nach den Gravitationswellen fahnden. Das zweite Observatorium steht in Hanford, Washington.
    foto: ligo

    Das Observatorium in Livingston, Louisiana, ist einer von zwei LIGO-Detektoren, die mithilfe von L-förmigen Ultrahochvakuumsystemen mit Schenkellängen von jeweils vier Kilometern nach den Gravitationswellen fahnden. Das zweite Observatorium steht in Hanford, Washington.

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