Deutschland: Frauenanteil in Führungsetagen steigt nur langsam

13. Jänner 2016, 15:13
19 Postings

Entwicklung wie "ein Ritt auf der Schnecke" – Schlechtes Zeugnis für Finanzbranche

Berlin – Der Anteil von Frauen in den Führungsetagen der größten deutschen Unternehmen steigt nur langsam. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Demnach waren am Jahresende 2015 in den Vorständen der 200 umsatzstärksten Unternehmen 57 von 910 Mitgliedern Frauen. Das entspricht einem Anteil von 6,3 Prozent nach 5,4 Prozent ein Jahr zuvor.

Einen deutlichen höheren Frauenanteil stellte das DIW laut dem am Mittwoch vorgelegten Managerinnen-Barometers 2016 in den Aufsichtsräten fest. Dort waren 19,7 Prozent der 2.202 Mitglieder in den 200 größten Unternehmen weiblich. Ende 2014 war der Anteil noch bei 18,4 Prozent gelegen. Das DIW erhebt seit 2006 einmal jährlich die Zahl der Frauen in den Leitungsgremien der Top-200-Firmen.

"Die Entwicklung gleicht einem Ritt auf der Schnecke", sagte DIW-Forschungsdirektorin Elke Holst in Berlin. Wenn das Tempo, mit dem die Frauenanteile stiegen, so gering bleibe, werde es "noch sehr lange dauern, bis eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern erreicht ist".

Nicht ein Kamm für alle Unternehmen

Die neue Quotenregelung allein könne es nicht richten, fügte Holst hinzu. Das seit 1. Jänner geltende Gesetz verpflichte zwar rund 3.500 Unternehmen, sich Zielgrößen für einen höheren Frauenanteil in Aufsichtsräten, Vorständen und obersten Managementebenen zu setzen. "Ohne wirkliche Sanktionen bei Nichterfüllung der Zielgrößen könnte sich das Gesetz jedoch als zahnloser Tiger herausstellen", bemerkte Holst. Von den gut 100 Unternehmen, die laut Gesetz von diesem Jahr eine Frauenquote von 30 Prozent bei Neubesetzungen ihres Aufsichtsrats berücksichtigen müssten, erfüllten erst 28 Prozent die Vorgaben.

Die Autorinnen der im DIW-Wochenbericht veröffentlichten Untersuchung betonten, dass nicht alle Unternehmen dabei über einen Kamm geschoren werden könnten. Einige seien deutlich ambitionierter als andere. So habe ein nicht unerheblicher Teil der in den Börsenindices Dax, Mdax, Sdax und Tecdax gelisteten Firmen sowie der Unternehmen mit Staatsbeteiligung zumindest in ihren Aufsichtsräten bereits einen Frauenanteil von 30 Prozent oder mehr.

Das gilt allerdings nicht für den Finanzsektor, dem die Expertinnen mit Blick auf die Ausgewogenheit in ihren Chefetagen ein schlechtes Zeugnis ausstellten. In den Vorständen von Banken und Versicherungen lag der Frauenanteil demnach im vergangenen Jahr nur bei acht beziehungsweise neun Prozent, in den Aufsichtsräten bei gut 21 beziehungsweise 19 Prozent. (APA, 13.1.2016)

Share if you care.