Die leere Kinderstube der Wale

14. Jänner 2016, 14:02
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Hawaii wartet bisher vergeblich auf die Ankunft der Buckelwale – Experten entwarnen jedoch

Wien/Honolulu – Naturschützer, Forscher und Touristen warten bislang vergeblich auf ein alljährliches Naturschauspiel. In den vergangenen Jahren waren zu dieser Zeit bereits tausende Buckelwale vor den Küsten Hawaiis zu sehen. Im Sommer leben sie in den polaren Meeren, im Winter quartieren sie sich in tropischen und subtropischen Gewässern ein. Dort paaren sich die Säugetiere und bringen ein Jahr nach der Zeugung auch ihre Kälber zur Welt. Doch bis Anfang Jänner wurden erst wenige Exemplare erspäht. Die Gründe für das Fernbleiben sind noch nicht geklärt, müssen aber nicht unbedingt einen negativen Auslöser haben.

Eine Theorie ist, dass die verzögerte Ankunft damit zusammenhängt, dass sich die Population der Wale erholt hat. Es könnte sich um einen Effekt erfolgreicher Schutzmaßnahmen handeln, sagte etwa der in Maui lebende Meeresbiologe Ed Lyman dem Guardian. Die mächtigen Meeressäuger wurden stark bejagt, bis ihre Population auf wenige Tausend Tiere schrumpfte. 1966 trat jedoch ein weltweites Fangverbot in Kraft, der Bestand konnte sich erholen. Die Weltnaturschutzorganisation IUCN stufte die Tiere 2008 auf die geringste Gefährdungsstufe der Roten Liste zurück.

Durch die höhere Population steigt die Konkurrenz um Nahrung: So könnte es für die Wale schwieriger sein, ausreichend Plankton zu fressen, um die Energie für die tausende Kilometer weite Reise zu sammeln.

El Niño könnte schuld sein

Von anderen Experten wird das Klimaphänomen El Niño ins Spiel gebracht. Auch dadurch könnte den Buckelwalen die nötige Nahrung fehlen. El Niño ist in dieser Saison stark ausgeprägt aufgetreten. Im Oktober lagen die Meeresoberflächentemperaturen im Zentral- und Ostpazifik deutlich über dem Durchschnitt, informiert die Wetter- und Ozeanografiebehörde der Vereinigten Staaten (NOAA). Im Dezember wichen sie teilweise sogar bis zu drei Grad vom Mittelwert der vergangenen Jahre ab. Zudem hatten schon vor Jahren hawaiianische Meeresbiologen in einer internationalen Studie vor den Effekten des Klimawandels auf Wale gewarnt.

Meeresbiologe Lyman betont aber, dass noch kein Grund zur Besorgnis bestehe. Vielmehr sei die zeitige Ankunft der Wale in den Vorjahren ungewöhnlich gewesen. Der alljährliche Höhepunkt der Walsaison findet erst im Februar und März statt. Noch heißt es also auf die offiziellen Zahlen warten: Die Walzählungen vor Hawaii finden jeweils am letzten Samstag im Jänner, Februar und März statt. (Julia Schilly, 14.1.2016)

  • Einer der wenigen Buckelwale zeigt sich vor Hawaii. Im Vorjahr konnten im Jänner bereits mehr Meeressäuger beobachtet werden.
    foto: ap/noaa fisheries

    Einer der wenigen Buckelwale zeigt sich vor Hawaii. Im Vorjahr konnten im Jänner bereits mehr Meeressäuger beobachtet werden.

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