Jeder sechste Hausarzt-Patient hat S. aureus in der Nase

13. Jänner 2016, 11:51
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In einer Studie wurde das Vorkommen von Staphylococcus aureus in der Nase von Hausarzt-Patienten untersucht – 70 Prozent der Keime war zumindest gegen ein Antibiotikum resistent

Wien – In einer Studie wurden nun erstmals Daten zur Verbreitung von Keimen des Typs "Staphylococcus aureus" (S. aureus) außerhalb von Spitälern erhoben. Diese Bakterien können auch schwere und lebensgefährliche Infektionen auslösen. Die Untersuchung der MedUni Wien zeigte, dass 16,6 Prozent der Hausarzt-Patienten mit nicht-infektiösen Krankheiten S. aureus in der Nasenschleimhaut als "Kolonisator" aufweisen. Ein Großteil der Keime zeigt Resistenzen.

"In Österreich haben wir in der Allgemeinmedizin bei solchen Daten ein 'Schwarzes Loch'. Wir schauen nur auf die Krankenhausdaten, weil wir keine Daten aus der niedergelassenen Praxis haben – und vergessen gleichzeitig darauf, dass wir sie nicht haben", sagt Projektleiter Manfred Maier von der Abteilung für Allgemein- und Familienmedizin der MedUni Wien.

Das gilt neben vielen Bereichen der Medizin auch für die Verbreitung von häufigen Krankheitserregern in der Bevölkerung. Die herkömmlichen Studien laufen fast immer in Krankenhäusern ab. Dort existiert aber eine eigene Bakterien-Flora, oft mit typischen Krankenhauskeim-Resistenzen durch den häufigen Gebrauch von Antibiotika und schwerkranken Patienten mit geschwächter Immunabwehr. Bei Patienten außerhalb der Krankenhäuser werden viel weniger Resistenzen vermutet. Konkretes Wissen dazu gab es bislang nicht, da kaum regelmäßig durchgeführte Studien für den niedergelassenen Bereich existieren.

Nasenabstriche nicht-infektiöser Patienten

Die österreichische Studie ist Teil der APRES-Initiative in neun europäischen Ländern. Die Daten aus Österreich wurden jetzt in BMC Infectious Diseases veröffentlicht. Sie beziehen sich auf das Vorkommen von S. aureus.

20 über die Österreichische Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin zum Mitmachen angeworbene Hausärzte baten jeweils 200 auf einander folgende Patienten mit nicht-infektiösen Krankheiten als Grund für den Arztbesuch, einen Nasenabstrich machen zu dürfen. Insgesamt waren es schließlich 3.309 Proben auf Keime und entsprechende Fragebögen.

Österreich im internationalen Vergleich

Das Ergebnis: "S. aureus wurde bei 16,6 Prozent der Nasenabstriche identifiziert. 70,1 Prozent waren zumindest gegen ein Antibiotikum resistent, zumeist gegen Penicillin", schreiben die Autoren. 64,8 Prozent dieser Staphylokokken waren gegen Penicilllin resistent, dann kamen Azithromycin (13,5 Prozent) und Erythromycin (13,3 Prozent). Eine Mehrfach-Resistenz lag bei 13,7 Prozent der S. aureus-Stämme vor, eine sogenannte Methicillin-Resistenz (häufig in Krankenhäusern) wurde bei 1,5 Prozent der Proben festgestellt.

Männer wiesen um 60 Prozent häufiger als Frauen eine S. aureus-Besiedelung in der Nase auf. Jüngere Menschen hatten ein um 30 Prozent erhöhtes Risiko, ebenso Personen aus ländlichen Regionen (plus 40 Prozent im Vergleich zur Gesamtgruppe) und im Gesundheitswesen Tätige (plus 50 Prozent). Eine Keimbesiedelung stellt noch keine Krankheit dar, doch kann sie quasi ein Reservoir für Infektionen darstellen. Maier zufolge befindet sich Österreich im europäischen Vergleich in einer guten Situation. Das ist auf die relativ geringe Verschreibungsrate für Antibiotika zurückzuführen. Laut den Autoren sollte aber die Bedeutung der Vermeidung von unnötigen Breitband-Antbiotikagebrauchs betont werden. (APA, 13.1.2016)

  • In einer Studie wurde erstmals die Verbreitung von "Staphylococcus aureus"-Keimen außerhalb von Spitälern ermittelt. S. aureus wurde bei rund 17 Prozent der Nasenabstriche von nicht-infektiösen Hausarzt-Patienten identifiziert.
    foto: reuters/handout

    In einer Studie wurde erstmals die Verbreitung von "Staphylococcus aureus"-Keimen außerhalb von Spitälern ermittelt. S. aureus wurde bei rund 17 Prozent der Nasenabstriche von nicht-infektiösen Hausarzt-Patienten identifiziert.

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