Mögliche Baby-Verwechslung vor 25 Jahren am LKH Graz

13. Jänner 2016, 11:45
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Junge Frau wurde bei Blutspende auf falsche Blutgruppe aufmerksam – Kostenlose DNA-Tests für infrage kommende Frauen und ihre Mütter

Graz – Am LKH Graz sind vor 25 Jahren möglicherweise zwei Babys verwechselt worden. Eine junge Frau erkannte im Zuge einer Blutspende, dass ihre Mutter aufgrund der Blutgruppe nicht die leibliche Mutter sein kann. Die Staatsanwaltschaft Graz war seit April 2015 mit dem Fall befasst, hat das Verfahren aber "aus Beweisgründen" eingestellt. Verunsicherten Frauen wir nun ein kostenloser DNA-Test angeboten.

"Wir sind seit einigen Monaten gemeinsam mit der betroffenen Familie bemüht, den Verdachtsfall aufzuklären", sagte Gebhard Falzberger, Betriebsdirektor des LKH-Universitätsklinikums Graz, am Mittwoch und bestätigte damit eine Meldung der "Kleinen Zeitung". Die Babys wurden demnach vermutlich zwischen Oktober und November 1990 verwechselt.

Abweichungen bei Blutgruppen

Eine der beiden heute jungen Frauen habe im Frühjahr 2014 zufällig im Rahmen einer privaten Blutspende erfahren, dass es Abweichungen zwischen ihrer tatsächlichen und jener in den Mutter-Kind-Pass eingetragenen Blutgruppe gibt. Ein zusätzlicher DNA-Test habe dann bestätigt, dass es zu einer Verwechslung gekommen sein musste. Die betroffene Familie vermutet, dass die Verwechslung in der Klinik stattgefunden hat.

Aus Sicht von Falzberger ist das nicht bewiesen. "Sollte die Verwechslung tatsächlich bei uns passiert sein, möchte ich mich bei allen Betroffenen im Namen der Klinik entschuldigen." Man habe den Fall im April 2015 der Staatsanwaltschaft Graz gemeldet, "da für die Kindesverwechslung mehrere Fehlerquellen auch außerhalb der Klinik infrage kommen". Die Behörde habe das Ermittlungsverfahren jedoch im Dezember "aus Beweisgründen" eingestellt "Tatsache ist, dass das Kind bei uns zur Welt gekommen ist", so Falzberger. Die umfangreichen Recherchen durch mehrere Experten hätten noch kein Ergebnis gebracht, das die wahren Verwandtschaftsverhältnisse aufgeklärt hätte.

Kostenlose DNA-Tests

Im LKH gibt es ab sofort für alle Frauen, die zwischen 15. Oktober und 20. November 1990 am Uniklinikum Graz geboren wurden, wie auch für deren Mütter die Möglichkeit, kostenlos einen DNA-Test durchführen zu lassen. Laut Anstaltsleitung wurden in dieser Zeit rund 200 Mädchen geboren. "Die Entscheidung für den Test muss jede Person für sich alleine treffen. Wir können niemanden zwingen", betonte Falzberger. (APA, 13.1.2016)

Immer wieder werden Babys vertauscht

2015: Zwei Jahrzehnte nach der Geburt ihrer im Krankenhaus vertauschten Babys spricht ein französisches Gericht in Grasse zwei Familien eine Entschädigung von zwei Millionen Euro zu. Die neugeborenen Mädchen waren im Sommer 1994 in der Klinik in Cannes vertauscht worden. Beide bekamen Tage nach ihrer Geburt Gelbsucht und wurden aus Platzgründen zusammen in ein Kinderbett gelegt und UV-bestrahlt.

2013: In Vietnam erwartet eine Mutter einen Buben und bekommt im Krankenhaus ein Mädchen, eine andere wird mit einem Sohn statt einer Tochter überrascht. Die Säuglingen wurden in der Klinik wohl beim Waschen verwechselt.

2013: Drei Wochen nach der Geburt werden zwei in Argentinien vertauschte Babys wieder zurückgetauscht.

2012: 37 Jahre lang wachsen zwei Russinnen in falschen Familien auf, weil sie nach der Geburt vertauscht wurden. Die Frauen aus Orenburg am Ural sind seit der Schule befreundet.

2009: 26 Jahre nach der Verwechslung in einer Warschauer Klinik werden die Familien mit 425.000 Euro entschädigt. Im Dezember 1983 war ein Zwillingspärchen wegen einer Lungenentzündung ins Krankenhaus gekommen; eine der Schwestern wurde mit einem anderen Mädchen vertauscht.

2009: Eine Klinik in Kuri (Südkorea) muss einer Mutter umgerechnet 40.000 Euro Schmerzensgeld zahlen, weil eine Krankenschwester 17 Jahre zuvor ihr Baby mit einem anderen Neugeborenen vertauscht hatte.

2008: Mit 24 Jahren findet ein Brasilianer heraus: Er wurde im Krankenhaus kurz nach seiner Geburt mit einem anderen Baby vertauscht. Beide Familien ziehen zusammen auf einen Bauernhof.

2008: In einer Klinik in Saarlouis werden zwei Mädchen vertauscht. Nach einem halben Jahr wird der Irrtum entdeckt.

2008: Zwei spanische Zwillingsschwestern, die nach der Geburt durch eine Verwechselung getrennt worden waren, finden nach drei Jahrzehnten wieder zusammengefunden.

2007: Nach mehreren Monaten erfahren zwei Paare aus Tschechien, dass ihre Kinder nach der Geburt vertauscht wurden. Beide Mütter heißen mit Vornamen Jaroslava.

2006: Zehn Jahre wachsen in einem thailändischen Krankenhaus vertauschte Kinder bei den falschen Eltern auf.

2005: Am Landesklinikum Mistelbach werden nach der Geburt auf der Säuglingsstation zwei Babys vertauscht. Der Irrtum wird erst zu Hause durch eine Schwester des Kindes aufgedeckt: "Du, Mama. Auf dem Armband der Sonja steht Viktoria drauf."

  • Artikelbild
    foto: apa/ralf hirschberger
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