Burgenlands Polizeichef Doskozil wird Verteidigungsminister

13. Jänner 2016, 11:17
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Hans Peter Doskozil übernimmt das Verteidigungsministerium, Gerald Klug soll ins Infrastrukturministerium wechseln, Alois Stöger Sozialminister werden

Wien – Die Regierungsumbildung wegen der Präsidentschaftskandidatur von Sozialminister Rudolf Hundstorfer nimmt Formen an. Der burgenländische Landespolizeikommandant Hans Peter Doskozil wird Verteidigungsminister. Entsprechende Berichte mehrerer Medien ("Österreich", "Kurier", "Kleine", "Krone") wurden dem STANDARD aus der SPÖ bestätigt.

Verteidigungsminister Gerald Klug wiederum dürfte künftig das Infrastrukturministerium leiten. Denn dessen aktueller Chef Alois Stöger soll statt Hundstorfer Sozialminister werden. Und auch Staatssekretärin Sonja Steßl soll im Zuge dieser Rochaden mehr Kompetenzen bekommen: Laut krone.at wandern die Digitalagenden aus dem Infrastrukturministerium zu ihr.

Der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ), dessen Büroleiter Doskozil einst war, wollte die Gerüchte nicht kommentieren und verwies auf das Bundesparteipräsidium am Freitag. Gleichzeitig betonte er abermals, dass er Doskozil für "sehr politiktauglich" halte.

Offizielle Bekanntgabe am Freitag

Dass Klug – langjähriger Funktionär in der Metallergewerkschaft – in der Regierung bleibt, dürfte er den sozialdemokratischen Gewerkschaftern zu verdanken haben, die den Verlust von gleich zwei Ministern aus ihren Reihen nicht akzeptiert hätten. Denn durch die Kandidatur Hundstorfers kommt ihnen bereits der ehemalige ÖGB-Präsident in der Regierung abhanden.

Offiziell bestätigen wollte die Rochade am Mittwoch niemand. Verwiesen wird in der SPÖ auf die Sitzungen von Präsidium und Vorstand Freitagvormittag beziehungsweise -mittag. Bei diesen wird definitiv der Präsidentschaftskandidat beschlossen und aller Wahrscheinlichkeit nach auch schon die wegen Hundstorfers Antreten notwendige Umbildung der Regierung.

Doskozil ein "kühler Kopf"

Doskozil wurde durch sein Krisenmanagement bekannt, als im vergangenen Sommer in Parndorf 71 tote Flüchtlinge in einem Kühl-Lkw gefunden wurden. Auch sein Handling des Flüchtlingsandrangs am Grenzübergang Nickelsdorf bescherte ihm Aufmerksamkeit. Krone.at zitiert Regierungskreise mit dem Befund, dass Doskozil damals bewiesen habe, "wie man selbst in Krisensituationen kühlen Kopf bewahrt und ausgezeichnete Managementarbeit leistet". Anders bei Klug: Dem kreide die SPÖ-Führung mangelndes Tempo bei großen Reformen und unglückliches Agieren etwa in der Dienstwagenaffäre an.

Doskozil hat einen ungewöhnlichen Werdegang hinter sich: 1989 begann er als Sicherheitswachebeamter bei der Bundespolizeidirektion Wien. Nebenbei studierte er Rechtswissenschaften, drei Jahre nach der Sponsion wechselte er 2003 in die burgenländische Sicherheitsdirektion. Ein Jahr später ging es zurück nach Wien in das fremdenpolizeiliche Büro der Bundespolizeidirektion. Es folgten fünf Jahre in der Sicherheitdirektion Burgenland und danach zwei Jahre im Büro von Landeshauptmann Niessl. Seit Herbst 2012 ist Doskozil Landespolizeikommandant. (APA, red, 13.1.2016)

  • Bald neuer Verteidigungsminister: Burgenlands Landespolizeichef Hans Peter Doskozil.
    foto: apa/herbert p. oczeret

    Bald neuer Verteidigungsminister: Burgenlands Landespolizeichef Hans Peter Doskozil.

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