Schwester des Bloggers Badawi festgenommen

13. Jänner 2016, 21:53
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Amnesty: "Verheerender Rückschlag für Menschenrechte in Saudi-Arabien"

Jeddah – Die Schwester des wegen seiner liberalen Äußerungen in Saudi-Arabien inhaftierten Bloggers Raif Badawi, Samar Badawi, ist vorübergehend festgenommen worden. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) wurde sie am Mittwoch wieder freigelassen.

Samar Badawi war am Vortag in Jeddah (Jidda) gemeinsam mit ihrer zweijährigen Tochter abgeführt und nach vierstündigem Verhör ins Gefängnis gebracht worden. Sie sollte demnach am Mittwoch vor dem Staatsanwalt erscheinen. Von ihrer Freilassung berichteten auch die Organisation Zentrum für Menschenrechte und der Twitter-Account des Ex-Mannes von Samar Badawi, der inhaftierte Menschenrechtler Walid Abu al-Khair, am Mittwoch. Der Account wird von seinen Vertrauten geführt.

"Schikanierung und Einschüchterung"

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verurteilte die vorübergehende Festnahme der jungen Frau als weiteren Beweis für die Menschenrechtsverletzungen in dem erzkonservativen Königreich. Sie sei ein Beispiel dafür, "wozu die Behörden in ihrer ruhelosen Kampagne zur Schikanierung und Einschüchterung von Menschenrechtsaktivisten bereit sind", erklärte Philip Luther von Amnesty International.

In der Amnesty-Mitteilung hieß es, es werde vermutet, dass Badawis Festnahme auch wegen ihres Einsatzes für ihren Ex-Mann erfolgt sei. Walid Abu al-Khair, Raif Badawis Anwalt, war im Sommer 2014 zu 15 Jahren Haft verurteilt worden, die er derzeit absitzt.

Raif Badawis im kanadischen Exil lebende Ehefrau Ensaf Haidar teilte mit, ihre Schwägerin sei unter dem Vorwurf festgenommen worden, das Twitter-Konto ihres inhaftierten Ex-Mannes weiterbetrieben zu haben. Laut HRW wies Badawi diesen Vorwurf zurück.

Samar Badawi ist die Schwester des bekannten Bloggers Raif Badawi, der wegen des Betreibens einer liberalen Diskussionsplattform im Internet wegen Beleidigung des Islam 2014 schuldig gesprochen und zu zehn Jahren Haft und 1.000 Peitschenhieben verurteilt wurde. Er hatte im Jänner 2015 die ersten 50 Peitschenhiebe seiner Strafe bekommen. Aus gesundheitlichen Gründen und nach einer Welle des internationalen Protests wurden die Schläge bis auf weiteres ausgesetzt.

Die saudische Botschaft in Deutschland bestritt eine Festnahme Samar Badawis. Sie habe "einen Termin bei der Staatsanwaltschaft zu einem Informationsgespräch wahrgenommen und unmittelbar nach dem Gespräch die Staatsanwaltschaft wieder verlassen", teilte die Vertretung des Landes in Berlin mit. Nähere Angaben machte die Botschaft nicht.

Anfang Jänner hatte das sunnitisch geprägte Saudi-Arabien internationale Kritik auf sich gezogen, als es in einer Massenhinrichtung 47 Menschen an einem Tag hinrichtete – darunter auch den schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr. Der Tod des Regime-Kritikers hatte erneut schwere Spannungen zwischen dem sunnitischen Königshaus in Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran ausgelöst. (APA/dpa, 13.1.2016)

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