Iran ließ festgenommene US-Marinesoldaten frei

13. Jänner 2016, 14:05
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Defektes Navigationssystem hatte US-Boote in iranische Gewässer geführt – Außenminister Kerry und Zarif telefonierten nach Zwischenfall

Teheran – Der Iran hat am Mittwoch zehn US-Marinesoldaten freigelassen, die am Vortag mit ihren Patrouillenbooten in iranische Hoheitsgewässer geraten und von iranischen Revolutionsgarden festgesetzt worden waren. "Es wurde festgestellt, dass die festgenommenen Marinesoldaten unabsichtlich in die iranischen Gewässer gerieten", erklärten die Revolutionsgarden.

"Nach ihrer Entschuldigung wurden sie im Golf in internationale Gewässer entlassen", hieß es weiter. Das US-Verteidigungsministerium bestätigte, die Marinesoldaten seien "unbeschadet" freigekommen. Die Männer hätten das iranische Hoheitsgebiet verlassen. Der Vorfall werde untersucht.

In den iranischen Medien wurden Bilder von den beiden Patrouillenbooten und den zehn Marinesoldaten gezeigt, die am Dienstag auf einer Passage von Kuwait nach Bahrain in die iranischen Hoheitsgewässer gerieten. Die Marinesoldaten – neun Männer und eine Frau – saßen in einem Raum auf Teppichen, von den Patrouillenbooten wurden unbewegte Bilder gezeigt.

Kein feindseliger Akt

Ein Kommandant der Revolutionsgarden, Admiral Ali Fadavi, hatte schon vor der Freilassung gesagt, die Verletzung der Hoheitsrechte sei offensichtlich kein "feindseliger" Akt und habe nicht "Spionagezwecken" gedient. Die US-Kriegsschiffe seien wegen eines defekten Navigationsgeräts in die iranischen Hoheitsgewässer geraten. Die Außenminister beider Länder, John Kerry und Mohammad Javad Zarif, seien nach dem Zwischenfall in ständigem Kontakt gewesen, sagte der General zu iranischen Medien weiter.

Die Patrouillenboote waren von Schiffen der Revolutionsgarden auf eine Marinebasis auf der Insel Farsi gebracht worden. Die winzige Insel liegt mitten im Persischen Golf auf halber Strecke zwischen dem Iran und Saudi-Arabien.

Spannungen geschnürt

Der Vorfall hatte zunächst die Spannungen zwischen beiden Staaten geschürt. Die Revolutionsgarden warfen den Seeleuten zu Beginn vor, in iranischem Staatsgebiet herumzuschnüffeln. Irans Außenminister Zarif verlangte eine Entschuldigung der US-Regierung. Der republikanische US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump erklärte auf einer Wahlkampfrede, der Vorfall zeige "die verdammte Richtung, in die sich die Dinge entwickeln". Er wirft Amtsinhaber Barack Obama eine schwache Außenpolitik vor.

Der Iran und die USA haben seit mehr als 35 Jahren keine diplomatischen Beziehungen. Seit gut zwei Jahren haben sich die Außenminister beider Länder aber im Rahmen der Atomverhandlungen mehrmals in Wien getroffen. Nach dem Atomabkommen vom 14. Juli 2015 arbeiten die Minister auch für eine diplomatische Lösung des Syrien-Konfliktes zusammen. (APA, 13.1.2016)

  • Die iranische Agentur IRIB veröffentlichte dieses Bild
    foto: irib news agency via ap

    Die iranische Agentur IRIB veröffentlichte dieses Bild

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