Forschungsprojekt zu deutscher Bibel-Übersetzung aus dem 14. Jahrhundert

16. Jänner 2016, 18:48
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Werk des unbekannten "Österreichischen Bibelübersetzers" soll als editierte Gesamtausgabe herauskommen

Wien/Jena – Die älteste bekannte Übersetzung der Bibel, oder zumindest eines ihrer Teile, in eine deutsche Sprache entstand im Jahr 748. Das in den sogenannte Mondseer Fragmenten enthaltene Matthäusevangelium wurde von Mönchen in die althochdeutscher Sprache übertragen. Bis zur Bibel-Übersetzung von Martin Luther (1483-1546) und weiterer Theologen sind rund 70 deutsche Übersetzungen bekannt.

Eine davon entstand im 14. Jahrhundert und stammt von einem unbekannten Autor, den man nach dem Fundort der meisten Manuskripte als "Österreichischen Bibelübersetzer" bezeichnet. Der Autor hat der Übersetzung einen umfassenden Kommentar beigefügt. In Deutschland wurde nun ein auf zwölf Jahre angelegtes Forschungsprojekt gestartet mit dem Ziel, eine editierte Gesamtausgabe herauszubringen.

Die "Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern" (GWK) in Deutschland hat im vergangenen Herbst beschlossen, das Projekt mit einem Gesamtbudget von 4,5 Millionen Euro zu fördern. An dem nun gestarteten Vorhaben sind neben der Universität Jena die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW) und die Bayerische Akademie der Wissenschaften beteiligt.

Bibelprosa

Die Version des "Österreichischen Bibelübersetzers" ist eine von zahlreichen handschriftlichen und 18 gedruckten vorreformatorischen Bibelübersetzungen. Während die anderen Übersetzer allerdings zum Ziel hatten, zu einem besseren Verständnis der lateinischen Bibel beizutragen, übertrug der österreichische Autor die lateinische Satzfolge "in eine geradezu elegante deutsche Prosa". Dabei übersetzte er nicht nur große Teile der Bibel, sondern kommentierte sie für ein besseres Textverständnis.

Die Besonderheit und Bedeutung der aus der Zeit um 1330 stammenden Texte liegen laut BBAW auch "in der Tatsache, dass als Übersetzer ein Laie tätig war, der das Recht der Laien auf die Bibel in der Volkssprache vehement verteidigt". Trotz der sehr aufwendigen und zum Teil reich bebilderten Handschriften sei der Autor aus Österreich bisher nur Spezialisten bekannt, heißt es seitens der Universität Jena.

Luther profitierte vom Buchdruck

Dass der Buchdruck zur Zeit des österreichischen Übersetzers noch nicht erfunden war, erschwerte die Verbreitung der Texte erheblich. "Luthers Übersetzung ist ohne Frage genial. Doch profitierte er auch davon, dass sein Werk direkt gedruckt und so in größerer Zahl vervielfältigt werden konnte", so Projektleiter Jens Haustein von der Uni Jena. Dass Luther von den Arbeiten seiner Vorgänger wusste, davon gehen die Wissenschafter inzwischen nicht mehr aus.

Die Wissenschafter wollen sich in dem Projekt "Der Österreichische Bibelübersetzer. Gottes Wort deutsch" zunächst der Transkription des sogenannten "Klosterneuburger Evangelienwerks" widmen. Es umfasst 27 Überlieferungszeugnisse, die sich in zahlreichen Bibliotheken Österreichs und Deutschlands befinden und für die digitale wie auch eine gedruckte Editionen aufbereitet und analysiert werden sollen. (APA, red, 16.1.2016)

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