Drehzahl statt Drehbuch

31. Jänner 2016, 11:16
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Schauspieler als Rennfahrer, das war immer schon eine öffentlichkeitswirksame Ansage.
Internationale Mimen mit Lenkradleidenschaft wären zum Beispiel: Steve McQueen, Paul Newman, Patrick Dempsey, regionale: Gunther Philipp, Adrian Hoven

12. März 1970, Sebring in Florida, glamouröse Rennstrecke mit berüchtigtem Holperbelag. Hysterie beim Teamchef Richie Ginther, dem ehemaligen Formel-1-Piloten. Seine "Amateure" Steve McQueen und der Revlon-Erbe Peter Revson lagen 25 Minuten vor Ende des Zwölf-Stunden-Rennens, eines WM-Laufs, mit dem privat gemeldeten Porsche 908/2 in Führung. Es galt die Ehre des Hauses Porsche zu verteidigen, nachdem der vom Werk gemeldete 917 ausgeschieden war. Doch die abgebrühten Ferrari-Profis Andretti/Vaccarella/Giunti brachten mit knappen 22,1 Sekunden Vorsprung ihren roten Renner als Erste ins Ziel. Dennoch: Der zweite Gesamtrang für das Glamourteam war die Sensation, vor allem Filmstar Steve McQueen (Jahrgang 1930) zeigte unglaubliche Härte. Den linken Fuß nach einem Motorradunfall in Gips, biss er sich durch diese zwölf Stunden. Die eigene Porsche-"Flunder" mit 360 PS – ein ehemaliges Werkscoupé aus Zuffenhausen – hatte er bereits siegreich bei zwei nationalen Rundstreckenrennen getestet.

Steve McQueen und Paul Newman

Der Publikumsliebling aus Bullitt, jeder Autofan kannte damals seine Hetzjagd im Ford Mustang durch San Francisco, konnte nicht mit den leicht gelackten Schauspielern der 1930er-Jahre verglichen werden: Diese Schönlinge posierten vor sportlichen Fahrzeugen und mimten Rennfahrer, ohne je eine schnelle Kurve durchfahren zu haben. Steve McQueen hingegen, aber auch seine Hollywood-Kollegen Paul Newman und Patrick Dempsey – unvergessen auch James Dean im Porsche 550 Spyder – wollten und wollen als Motorsportler ernst genommen werden. Fünf Wochentage am Filmset, mutier(t)en sie am Wochenende im Overall zu Sportlern unter Sportlern. Nicht Autogrammstunde in der Box, sondern Wettkampf mit allen Höhen und Tiefen.

Kaum jemand weiß heute noch, dass Steve McQueen 1964 in der US-Nationalmannschaft bei der Sechs-Tage-Moto-Cross-Fahrt in der damaligen DDR in Erfurt stand. Nur sein Le-Mans-Traum erfüllte sich nie. Der Porsche 917 mit Partner Weltmeister Jackie Stewart stand schon bereit, doch die Produktion sagte "no". Die Hauptrolle im gleichnamigen Film war nur billiger Trost.

Faszination

Das Rennen von Le Mans scheint auf rennfahrende US-Stars eine unglaubliche Faszination auszuüben. 1971 stand Paul Newman (geboren 1925) gemeinsam mit Rolf Stommelen auf dem Siegespodest für den zweiten Platz auf Porsche 935, nach mühsamen 24 Stunden. Alles selbst errungen, kein Double trug seinen Helm, der Star zeigte tolles Fahrkönnen. Noch mit 70 Jahren gehörte Newman zu der Dreiermannschaft, welche das 24-Stunden-Rennen von Daytona gewann. Als Teamchef holte er acht US-Meistertitel, Mario Andretti war einer seiner Profifahrer. Eines verband Paul Newman und Steve McQueen in tragischer Weise: Beide starben an den Folgen ihrer Raucherleidenschaft.

Auch für Patrick Dempsey, 49 Jahre alt, den gefeierten Arzt Derek Shephard aus der Kultserie Greys Anatomy, ist Porsche die Hausmarke. Seit 2013 sind entweder der 997 GTS-RS, der Cup-Porsche oder der 911 GT das bevorzugte Renngerät. 2015 jubelte Dempsey mit seinen Mitstreitern in Le Mans nach Rang zwei in seiner Klasse auf dem Siegespodest.

Der filmende Held der heimischen Rennszene war in den 1960er-Jahren Neurologe, Komiker, Meisterschwimmer (1939 Weltbester über 100 m Brust!) Gunther Philipp alias Placheta. Seine Pseudonyme waren witzig, wie es einem Spaßmacher zustand: Giulio Pavesi oder Terramonte ("Ich bin aus Erdberg im 3. Bezirk"). Zwei österreichische Meistertitel, 1962 auf Ferrari 250 GT, 1963 auf Ferrari GTO, bewiesen sein Fahrkönnen. Daniel Brühl mimte Niki Lauda im Film Rush, doch der Lenkradeinsatz blieb ihm verwehrt. Die nachgespielte Mimik und Diktion des Weltmeisters war aber ein Beweis für sein schauspielerisches Talent. (Peter Urbanek, 31.1.2016)

  • "Le Mans"-Darsteller Steve McQueen, im Film mit einem Porsche 917 unterwegs, 1962 am Steuer seines Jaguar  XK-SS.
    foto: ap

    "Le Mans"-Darsteller Steve McQueen, im Film mit einem Porsche 917 unterwegs, 1962 am Steuer seines Jaguar XK-SS.

  • Medicus und Mime Gunther Philipp 1965 in Zeltweg auf Ferrari GTO.
    foto: technisches museum

    Medicus und Mime Gunther Philipp 1965 in Zeltweg auf Ferrari GTO.

  • Daniel Brühl als Niki Lauda. Brühl ist als Einziger der hier Angeführten im Privatleben kein Rennfahrer.
    foto: ap

    Daniel Brühl als Niki Lauda. Brühl ist als Einziger der hier Angeführten im Privatleben kein Rennfahrer.

  • Patrick Dempsey, heuer auf Porsche 911 RSR  in Le Mans sehr erfolgreich ...
    foto: apa

    Patrick Dempsey, heuer auf Porsche 911 RSR in Le Mans sehr erfolgreich ...

  • ... was ihn mit Paul Newman (das Foto zeigt ihn 1978 im Datsun 280Z auf dem Lime Rock Park Track in Lakeville) verbindet, der ebenfalls in  Le Mans brillierte.
    foto: ap

    ... was ihn mit Paul Newman (das Foto zeigt ihn 1978 im Datsun 280Z auf dem Lime Rock Park Track in Lakeville) verbindet, der ebenfalls in Le Mans brillierte.

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