Niedriger Ölpreis zwingt Russland zu drastischem Sparkurs

12. Jänner 2016, 21:17
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US-Leichtöl und Nordseeöl kratzen an 30-Dollar-Marke. Der Kreml schnallt den Gürtel enger, BP streicht 4.000 Stellen

Moskau/London/Wien – Der fortgesetzte Preisverfall von Rohöl lässt die betroffene Industrie sowie einzelne erdölproduzierende Länder zu immer drastischeren Mitteln greifen. So hat erst am Dienstag der Mineralölkonzern BP angekündigt, mindestens 4.000 (von insgesamt 84.500) Stellen zu streichen. Und Russland, das mit den USA und Saudi-Arabien weltweit am meisten Erdöl produziert, sieht sich gezwungen, die Ausgaben drastisch zu senken.

Am Dienstag gaben die Ölpreise nach dem Preisrutsch in der Vorwoche nochmals leicht nach. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI zur Lieferung im Februar fiel kurzzeitig sogar erstmals seit dem Dezember 2003 unter die Marke von 30 US-Dollar und kostete im Tief 29,93 Dollar. Danach erholten sich die Preise wieder etwas.

Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete am Abend 30,90 Dollar und damit 65 Cent weniger als am Vortag. Im Tagestief waren es mit 30,34 Dollar noch etwas weniger.

BP will die Jobkürzungen in der Produktionssparte vornehmen. Auch in Deutschland sei der Abbau hunderter Stellen geplant. Ein Sprecher nannte in der Welt am Sonntag bis zu 800 Arbeitsplätze (von 5.500), die heuer in Deutschland gefährdet seien.

Ruf nach Opec-Sondersitzung

Die russischen Ministerien müssen wegen des niedrigen Ölpreises die Haushaltsausgaben das zweite Jahr in Folge um zehn Prozent senken. Die Maßnahme sei im Dezember bei einer Sitzung unter der Leitung von Ministerpräsident Dmitri Medwedew beschlossen worden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Regierungskreise.

Durch die Maßnahmen sollen 700 Milliarden Rubel, umgerechnet gut 8,4 Milliarden Euro, eingespart werden. Der russische Staat bezieht etwa die Hälfte seiner Einnahmen aus Steuern des Öl- und Erdgassektors.

20 Prozent Verlust heuer

Der Ölpreis hat allein seit Jahresbeginn mehr als 20 Prozent an Wert verloren. Als Hauptgrund für den Preisverfall gilt neben den Spekulationen an den Terminmärkten die weltweite Ölschwemme. Durch den Schieferölboom in den USA und den Verzicht der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) auf die Begrenzung der Fördermengen ist das Überangebot zuletzt deutlich gewachsen.

Nigerias Ölminister Emmanuel Ibe Kachikwu will wegen des dramatischen Ölpreisverfalls ein Sondertreffen der Opec. Die Vereinigung solle Anfang März zusammenkommen, sagte Kachikwu am Dienstag auf einer Konferenz in Abu Dhabi. (Reuters, dpa, stro, 12.1.2016)

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