Lebenslange Haftstrafen für Roma-Mörder in Ungarn rechtskräftig

12. Jänner 2016, 16:55
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Männer ermordeten 2008 und 2009 bei Anschlagsserie sechs Menschen und verletzten dutzende weitere – Verurteilte ließen sich vor Urteilsbegründung aus dem Gerichtssaal führen

Budapest – Ungarns Oberstes Gericht hat am Dienstag in letzter Instanz lebenslängliche Haftstrafen gegen drei Roma-Mörder für rechtskräftig erklärt. Die Hauptangeklagten, die Brüder Arpad und Istvan K. sowie Zsolt P., waren im August 2013 für die Ermordung von sechs ungarischen Roma zu jeweils unbedingter lebenslänglicher Haft verurteilt worden.

Die Verteidiger der Angeklagten hatten um die Aussetzung der Haftstrafe für ihre Mandanten und um ein neues Verfahren ersucht. Dabei berief sich die Verteidigung auf Fehler in den vorangegangenen Verfahren, auf angeblich fragliche Zeugenaussagen und falsch interpretierte DNA-Spuren. In den ersten Reihen des Verhandlungssaals saßen Vertreter der rechtsextremen Szene.

Nach Verkündung des Urteils ließen sich die Brüder Arpad und Istvan K. aus dem Saal führen um die Urteilsbegründung nicht anhören zu müssen. In dieser wurde konstatiert, dass im Falle aller drei Angeklagten deren Mordtaten nachgewiesen werden konnten. Während der Fahndung erfolgte Regelwidrigkeiten würden die früheren Urteile nicht grundlegend beeinflussen. Aus diesem Grunde sei das Ersuchen der Verteidigung auf ein neues Verfahren unbegründet gewesen, sagte Richterin Roza Meszar.

Täter aus rechtsextremer Szene

Im Verhandlungssaal des Obersten Gerichtes saßen auch Zsuzsanna Bodnar und Zsolt Sarközi. Sie nahmen nicht als offizielle Roma-Vertreter an der Verhandlung teil, sondern wollten privat das Urteil hören, nach dem "die Mörder bis ans Lebensende im Knast sitzen werden".

Die Frau erzählt der APA gegenüber von dem tiefen Schmerz, der noch immer angesichts der brutalen Morde an den Roma die Minderheit beherrsche. "Wir haben Angst um unsere Kinder, Enkelkinder, dass auch sie einmal solchen bestialischen Mördern begegnen könnten." Zsolt Sarközy erklärt, keiner der Angehörigen der Opfer habe an den Verhandlungen teilgenommen. "Sie wollen nicht alles noch einmal durchleben, wollen nicht in die Gesichter der Mörder sehen, die das Leben ihrer Liebsten auslöschten."

Die Täter, die aus der rechtsextremen Szene stammen, hatten in den Jahren 2008 und 2009 eine Serie von Anschlägen in verschiedenen Roma-Siedlungen verübt. Bei ihren Angriffen mit Schusswaffen und Brandsätzen starben sechs Menschen, darunter ein fünfjähriger Bub. 55 Menschen wurden verletzt, fünf von ihnen schwer. Die sogenannte Todesbrigade war im August 2009 verhaftet worden. (APA, 12.1.2016)

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