Flaschen-Postings

19. Jänner 2016, 22:44
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In sozialen Medien werden ganz unsozial leere Weinflaschen gepostet. Ein entbehrlicher Trend

Flaschen, nichts als leere Weinflaschen. Ob auf Facebook, Twitter oder Instagram – überall wird man mit Bildern fein säuberlich aufgereihter Flaschenleichen zwangsbeglückt, garniert mit sinnigen Kommentaren wie: "Hat super geschmeckt" oder "War eine wilde Nacht".

Welche Botschaft möchte man der Welt mit Fotos leerer Flaschen übermitteln? Etwa: Ich hab etwas getrunken, das du nicht hast, und das war geil.

Besonders Mitteilungsbedürftige machen sich dann noch die Mühe, die von ihnen vertilgten Weine zu beschreiben, auch wenn das kaum jemanden interessiert. Fast möchte man glauben, die Zurschaustellung önologischer Jagdtrophäen sei nichts als eine unbeholfene Demonstration von Potenz. Erst kürzlich untertitelte ein übermütiger Poster seinen Flaschenporno: "Groß – größer – am größten"

Bezeichnenderweise sind die Weine immer schon ausgetrunken. Offensichtlich zeigt man anderen gerne, was man nicht mit ihnen teilen wollte. Eine Einladung zum Mittrinken spricht in sozialen Medien hingegen niemand aus. Genossen wird lieber allein.

Die sogenannten Line-ups leerer Flaschen geben dennoch ein tristes Bild ab: Sie riechen nach Kater, kaltem Rauch und sauren Weinresten. Kann man denn Leergut nicht einfach nur am nächsten Morgen dezent entsorgen? (Christina Fieber, RONDO, 19.1.2016)

  • Auf Facebook, Twitter oder Instagram – überall wird man mit Bildern fein säuberlich aufgereihter Flaschenleichen zwangsbeglückt.
    foto: us marshals / lynzey donahue

    Auf Facebook, Twitter oder Instagram – überall wird man mit Bildern fein säuberlich aufgereihter Flaschenleichen zwangsbeglückt.

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