"Wir sind asylantenfrei": Lokal nach Facebook-Posting in der Kritik

13. Jänner 2016, 10:49
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Bad Ischler Bar führt Wochenendeintritt ein, angeblich wegen Belästigungsvorfällen – Polizei: "Fantasiegeschichte"

Der rund 14.000 Einwohner zählende Ort Bad Ischl, bekannt für sein Kurangebot und als ehemalige Sommerresidenz von Kaiser Franz-Josef I., nimmt schon seit rund drei Jahren Flüchtlinge auf. Bislang verlief das Zusammenleben, so entnimmt man der Berichterstattung, weitgehend friktionsfrei.

Nun sorgt das Lokal "Charly‘s" im Zentrum der Stadt für Aufregung. "Wir sind wieder asylantenfrei", verkündete man auf Facebook. Die Einträge wurden auch auf der eigenen Homepage und per Twitter verbreitet, da die Facebook-Postings dort durchgeschalten werden. Um "dieses Problem zu stoppen" werde nun an Wochenenden ein Eintritt von zwei Euro eingehoben, Gäste erhielten als Gegenleistung dafür ein kleines Freigetränk.

foto: screenshot/facebook

Entrüstete Reaktionen

Der Eintrag auf der Seite, die sonst nur geringe Nutzeraktivität verzeichnet, sorgte für Entrüstung. Besucher gaben sich "geschockt" und bezichtigten die Betreiber des Lokals des Rassismus. Etwas später reagierte man. Das ursprüngliche Posting – das mittlerweile in Form von Screenshots kursiert – wurde entfernt und durch eine vagere Formulierung ersetzt.

"Aufgrund vermehrter Zwischenfälle mit gewissen Gruppierungen" würde der Eintritt eingeführt, so die neue Nachricht. Dazu kündigte man an, dass künftig ein Security-Mitarbeiter an der Eingangstür stehen werde.

Inhaberin: "Geht nicht um Ausländer"

Auch dieser Eintrag führte zu Aufregung. Mehrheitlich sah sich die Charly‘s-Eigentümerin Karin Siebrecht-Janisch mit weiterer Kritik konfrontiert, einige Nutzer spendeten jedoch auch Beifall für die Maßnahme. Siebrecht-Janisch erklärte, es gehe "nicht um Ausländer, bin ja selber mit einem verheiratet", sondern um die Flüchtlinge im Ort.

Ihr Sohn habe zudem aufgrund des Ursprungspostings Bedrohungen erhalten. In Folgeeinträgen bemängelte sie zudem, dass man "in Österreich seine Meinung trotz Meinungsfreiheit nicht kund tun" dürfe. Einige Facebooknutzer haben angekündigt, das Lokal künftig zu boykottieren.

Flüchtlinge sollen Übergriffe begangen haben

Das Lokalverbot für Asylwerber begründet die Inhaberin mit angeblichen sexuellen Übergriffen. Sie berichtet gegenüber den "Oberösterreichischen Nachrichten" von "25 bis 30 jungen Männern", die Besucherinnen und Kellnerinnen belästigen und anderen Gästen Getränke entwenden würden. Das Posting zum "asylantenfreien" Lokal betrachte sie aber mittlerweile als "ungeschickt formuliert".

Die Angaben der Wirtin werden jedoch angezweifelt. Bei einem Besuch in der Flüchtlingsunterkunft gemeinsam mit Sozialstadträtin Ines Schiller (SPÖ) soll Siebrecht-Janisch niemanden aus der fraglichen Besuchergruppe dort erkannt haben.

Polizei: "Fantasiegeschichte"

Auch die örtliche Polizei konnte auf Anfrage der "Bezirksrundschau" keine Vorfälle bestätigen. "Wir haben noch keine Anzeige – und normalerweise wird so etwas angezeigt", sagt man dort und geht davon aus, dass die Anschuldigungen eine von den Kölner Vorkommnissen inspirierte "Fantasiegeschichte" seien.

Siebrecht-Janisch dementiert und will Übergriffe schon vor der Silvesternacht im Lokal "selbst gesehen" haben. Auf Facebook bezichtigt sie auch Stadträtin Schiller, "nicht die Wahrheit" über die Gegenüberstellung zu sagen. In der "Presse" hat Siebrecht-Janisch nunmehr bekannt gegeben, der Nachtgastronomie ohnehin den Rücken kehren zu wollen. Sie sei bereits seit einem halben Jahr auf der Suche nach einem Käufer für das Charly's.

Drei Bewohner von Bad Ischl erklärten gegenüber dem WebStandard, bereits Vorkommnisse in Zusammenhang mit dem Lokal bemerkt zu haben. Berichtet wird übereinstimmend von Schlägereien, von einer Involvierung von Asylwerbern ist ihnen nichts bekannt.

Bürgermeister übt Kritik

Bei Bürgermeister Hannes Heide (SPÖ), der laut OÖN ebenfalls die Schilderungen anzweifelt, stößt das Vorgehen der Lokalbetreiber auf wenig Gegenliebe. Heide hat in Sachen Flüchtlingen und Gerüchte eine Vorgeschichte vorzuweisen.

Als im Herbst die Behauptung kursierte, einem Asylwerber wäre von Caritas-Mitarbeitern bei einem örtlichen Elektrogeschäft ein teures Smartphone gekauft worden, konfrontierte er die Urheberin des Gerüchts sowie Mitarbeiter des Shops. Das Resultat: Die Geschichte entpuppte sich als frei erfunden.

Die Betreiber des Charly‘s haben sich mittlerweile erneut zu Wort gemeldet. Im jüngsten Facebook-Eintrag heißt es: "Ausländer nach wie vor herzlich willkommen, nur handgreifliche Flüchtlinge (Asylwerber) unerwünscht!" (Georg Pichler, 13.01.2015)

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