Neues Medikament gegen Lungenkrebs-Hirnmetastasen

12. Jänner 2016, 14:07
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Für 2016 erwartet die Österreichische Apothekerkammer rund 50 neu zugelassene Medikamente – etwa zur Behandlung von Krebs, Diabetes und HIV

Wien – Mehr als 12.000 registrierte Arzneimittel sind in den österreichischen Apotheken erhältlich. Rund 50 neue Wirkstoffe dürften in diesem Jahr laut Österreichischer Apothekerkammer die Zulassung erhalten. Es handle sich um Substanzen für die Krebstherapie, Diabetes, HIV und andere Krankheiten, hieß es am Dienstag in einer Aussendung.

Vergangenes Jahr waren es mehr als 40 neue Wirkstoffe, die von den Arzneimittelbehörden zugelassen worden sind. Helmut Spreitzer vom Department für pharmazeutische Chemie der Universität hat in der aktuellen Österreichischen Apothekerzeitung eine Zusammenstellung über die Innovationen auf dem Arzneimittelsektor verfasst.

In absehbarer Zeit dürfte es zur Behandlung von Patienten mit einem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom mit sogenannten ALK-Mutationen (drei bis fünf Prozent der Patienten leiden daran) mit Alectinib ein neues zielgerichtetes Arzneimittel zur Verfügung stehen, das in klinischen Studien bei fast 50 Prozent der Patienten den Primärtumor zum Schrumpfen brachte. Das Medikament wirkt auch noch, wenn ein erstes derartiges Arzneimittel (Crizotinib) durch Resistenz seine Wirkung verliert. Außerdem passiert der Wirkstoff die Blut-Hirn-Schranke und erreichte damit bei 57 Prozent der Patienten mit Gehirnmetastasen einen Rückgang dieser Geschwülste.

Kampf gegen Tuberkulose

Einen Fortschritt dürften auch die Wirkstoffe Bedaquilin und Delamanid darstellen, die als "Reserveantibiotika" vergangenes Jahr zur medikamentösen Behandlung von Tuberkulose zugelassen worden sind. Sie können bei der TB-Erkrankungen eingesetzt werden, die auf die herkömmlichen Medikamente nicht mehr ansprechen.

Für die Behandlung schwerkranker Patienten mit chronisch lymphatischer Leukämie ist mit dem monoklonalen Antikörper Obinutuzumab, der gezielt die B-Zellen angreift, das bisher wirksamste derartige Arzneimittel zugelassen worden. In Kombination mit dem Zytostatikum Chlorambucil kann bei 37 Prozent der Patienten ein Zustand erreicht werden, bei dem selbst mit den genauesten Labormethoden keine bösartigen weißen Blutkörperchen mehr feststellbar sind.

Schuppenflechte und HIV

Ein anderer monoklonaler Antikörper (Sekuninumab) zur Hemmung des Immunbotenstoffs Interleukin-17A dürfte die Therapie von schwerer Psoriasis deutlich verbessern. Bei bis zu 77 Prozent der Patienten kam es in klinischen Studien zu einer 75-prozentigen Verbesserung des PASI-Symptomindex, mit der Größe und Schwere der Symptome erfasst werden.

Zur Behandlung einer HIV-Infektion gibt es seit vergangenem Jahr auch zwei neue Integrasehemmer, die den Einbau der Erbsubstanz der HI-Viren in befallene Immunzellen bremsen. (APA, 12.1.2016)

  • Etwa 12.000 Arzneimittel können über die österreichischen Apotheken bezogen werden. Rund 50 neue Wirkstoffe sollen in diesem Jahr hinzu kommen.
    foto: dpa/matthias hiekel

    Etwa 12.000 Arzneimittel können über die österreichischen Apotheken bezogen werden. Rund 50 neue Wirkstoffe sollen in diesem Jahr hinzu kommen.

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