Splittergranate aus Österreich offenbar in Saudi-Arabien im Einsatz

12. Jänner 2016, 15:45
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Saudische Sondereinheiten sollen Munition im Jahr 2014 gegen Protestbewegung verwendet haben

Wien – Eine in Österreich hergestellte Splittergranate ist offenbar in Saudi-Arabien aufgetaucht. Saudische Sondereinheiten hätten sie im Dezember 2014 bei einem Einsatz gegen eine Protestbewegung bei sich getragen, berichtete der "Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe. Die Splittergranate stammte demnach aus der Produktion einer Tochterfirma des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall in Österreich.

Die Fotos, auf die sich das Magazin beruft, sollen darauf hinweisen, dass die Demonstration in der Stadt Awamiya stattfand. Der Wohnort des im Jänner hingerichteten schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr wurde demnach Ende 2014 nach Protesten wegen des Todesurteils gegen Oppositionelle von saudischen Spezialeinheiten gestürmt. Nimr galt als entschiedener Gegner des sunnitischen Königshauses.

Neben zwei nicht tödlichen Blend- und Knallgranaten, wie sie "der Düsseldorfer Rheinmetall-Konzern" produziere, sei auf den Bildern auch eine "ungenutzte Splittergranate vom Kaliber 40 Millimeter" zu sehen, berichtete das Magazin. Diese soll von der österreichischen Tochterfirma Rheinmetall Waffe Munition ARGES GesmbH hergestellt worden sein.

Möglicherweise aus alter Lieferung

Das Unternehmen mit Sitz in Rüstdorf/Schwanenstadt in Oberösterreich produziert nach eigenen Angaben ausschließlich Munition, darunter auch Splittergranaten. Dass welche aus österreichischer Produktion nun auf Bildern aus Saudi-Arabien auftauchen, erklärt Johann Stögermüller von Rheinmetall Waffe Munition ARGES GesmbH auf APA-Anfrage damit, dass diese aus einer alten Lieferung stammen könnten. Der deutsche Mutterkonzern teilte in einer Aussendung mit, dem "geschilderten Sachverhalt auf den Grund zu gehen".

Innenministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck sagte der APA, es habe diesbezüglich "keine Genehmigung für den Export nach Saudi-Arabien" gegeben. Auskunft über Lieferungen nach Deutschland könne er aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht geben. Grundböck betonte jedoch, bei einem Waffenexport auch innerhalb der EU müsse der Käufer eine Bestätigung vorlegen, die garantiert, dass die Waffen im Land behalten werden. Zudem werde jede Anfrage für einen Waffenexport individuell geprüft.

Der Export von Kriegsmaterial muss laut Gesetz vom Innenministerium in Absprache mit Verteidigungs- und Außenministerium genehmigt werden. Der Waffenhandel in kriegführende Staaten beziehungsweise Staaten, in denen das exportierte Kriegsmaterial zur Unterdrückung von Menschenrechten verwendet werden kann, ist laut Gesetz verboten. Saudi-Arabien kämpft derzeit mit Luftschlägen im Nachbarland Jemen gegen die Huthi-Rebellen, zudem soll die saudische Regierung Regimegegner in Syrien bewaffnen.

"Standardausrüstung"

Der Export von Splittergranaten auch in ein friedliches Land ist laut Verteidigungsministerium nichts Ungewöhnliches. "Sie gehören zur Standardausrüstung jeder Armee der Welt seit dem Ersten Weltkrieg", sagte Bundesheersprecher Michael Bauer der APA. Auch in Österreich würden sie bei Bundesheerübungen ausschließlich auf Schießplätzen eingesetzt.

Eine Splittergranate besteht aus einem Sprengstoffkern, umhüllt von Stahl. Eingesetzt wird die potenziell tödliche Munition gegen ungeschützte Personenziele. Explodiert der Sprengstoff, werden die Stahlsplitter mit hoher Geschwindigkeit und entsprechend viel Kraft innerhalb eines gewissen Radius – je nach Stärke der Granate – geschleudert.

Immer wieder berichten Medien von Waffen und Munition aus österreichischer Produktion in Kriegs- und Krisengebieten. Waffenhersteller wie die Steyr Mannlicher GmbH, deren Sturmgewehr laut "Profil" im syrischen Bürgerkrieg auftauchte, betonen stets, ihre Waffen seien in die falschen Hände geraten. (APA, 12.1.2016)

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