Prostatakrebs: Winzige Proteinveränderung kann Krankheit stoppen

12. Jänner 2016, 12:32
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Einer Studie zufolge können die für das Krebswachstum verantwortlichen Hormone den Tumor nicht mehr steuern, wenn dem Protein LSD1 eine winzige Molekülgruppe fehlt

Freiburg – Prostatakrebs ist die häufigste Tumorerkrankung bei Männern in den westlichen Industrienationen. Das Erkrankungsrisiko steigt mit dem Alter an. Männliche Geschlechtshormone wie Testosteron spielen bei der Entstehung eine wesentliche Rolle, indem sie die Genaktivität der Zellen maßgeblich beeinflussen und so den Tumor am Leben erhalten.

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Freiburg konnten nun zeigen, dass die für das Krebswachstum verantwortlichen Hormone den Tumor nicht mehr steuern können, wenn dem Protein LSD1 eine winzige Molekülgruppe fehlt. Außerdem entwickeln sich die Zellen so nicht mehr zu einer besonders aggressiven Krebsform weiter, wie das bei etwa zwei Drittel aller Patienten der Fall ist.

Die Forscher konnten bereits in früheren Studien nachweisen, dass das Protein LSD1 in der hormonellen Steuerung der Genaktivität bei Prostatatumoren eine wichtige Rolle spielt. Nun zeigten sie, dass LSD1 nur dann mit Proteinen der Hormon-Steuerung eine Wechselwirkung erzeugt, wenn das Protein EHMT2 eine nur vier Atome große Methyl-Molekülgruppe auf LSD1 überträgt. Wurde die Anheftung verhindert, konnte auch der Einfluss der Hormone blockiert werden.

Suche nach Wirkstoffen

"Wir haben einen wichtigen Mechanismus in der hormonellen Steuerung von Prostatakrebs aufgeklärt. Unsere Hoffnung ist, dass sich dieser Schritt mit den richtigen Medikamenten sehr gezielt hemmen lässt. Diese Wirkstoffe gilt es jetzt zu finden", sagt Roland Schüle vom Universitätsklinikum Freiburg.

Ohne die LSD1-Anheftung entwickelten sich die Krebszellen auch nicht mehr zu einer besonders aggressiven Form weiter. Diese entsteht, weil zwei Bereiche des Erbguts miteinander verschmelzen und dadurch ein für die Zelle wichtiges Gen der hormonellen Steuerung unterliegt. "Indem wir die Veränderung des LSD1-Proteins blockieren, können wir den krankhaften Umbau des Erbguts unterbinden. Im besten Falle ließe sich damit prophylaktisch eine Verschlimmerung der Krankheit verhindern", meint Eric Metzger, Erstautor der Studie. (red, 12.1.2016)

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