Medienmarkt Schweiz: Öffentlich-rechtliches Angebot an Verleger

12. Jänner 2016, 12:03
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SRG unterbreitete Zeitungshäusern elf Vorschläge für engere Zusammenarbeit – Video-Vermarktung, geteilte Sportrechte, gemeinsame Ausbildung, Apps und YouTube-Channel

Bern – Vor dem Hintergrund der Grabenkämpfe zwischen privaten Medienhäusern und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in der Schweiz ist die SRG nun in die Offensive gegangen. SRG-Generaldirektor Roger de Weck unterbreitete den Schweizer Verlegern elf Vorschläge für eine engere Zusammenarbeit. Die Verleger reagieren vorerst verhalten.

Der Medienplatz Schweiz sei heute noch stärker globalisiert als der Finanzplatz, schrieb Roger de Weck in einem Brief an die Verlage. Große Player wie Google und Facebook bedrängten die SRG und die Verlage. Kooperationen seien vor diesem Hintergrund das Gebot der Stunde. Die im Kreise vieler Verleger heftig kritisierte neue Werbeplattform von Ringier, Swisscom und SRG stehe allen Interessenten offen, betonte de Weck in seinem Brief. Darüber hinaus legte der SRG-Chef den Verlegern elf Angebote für Kooperationen in Journalismus und Technologie vor.

Die SRG ist etwa bereit, den Verlegern aktuelle Videos zur Verfügung zu stellen, sei es im Internet-Player des Verlages oder eingebettet in die Webseiten des Verlages und abspielbar im Player der SRG. Die SRG würde dabei an den Werbeeinnahmen, die der Verlag mit den Videos erziele, partizipieren. Ein Pilotprojekt dieser Art sei vielversprechend verlaufen, so der Generaldirektor der öffentlich-rechtlichen SRG. Ein ähnliches Projekt wird derzeit auch zwischen dem ORF und österreichischen Zeitungshäusern vorbereitet.

Im Sport ist die SRG bereit, in der Formel 1, der Leichtathletik, im Hallensport und im Tennis mit den Verlegern zusammenzuspannen. So biete die SRG privaten TV-Kanälen an, die Hälfte der zwanzig Formel-1-Rennen zu übertragen, sollte die SRG wieder den Zuschlag dafür erhalten. Regionale Sender könnten sich ferner bei Cup- und Meisterschaftsspielen großer Hallensportarten wie Basketball oder Hockey einklinken, die im Web live übertragen werden sollen.

Ein weiteres Feld für Kooperationen sieht die SRG in der Ausbildung, beim interaktiven Fernsehen und bei SwissTXT. Ferner sollen private Sender die Möglichkeit erhalten, Inhalte im Web-Player der SRG zu verbreiten. Gemeinsame Apps, ein gemeinsam nutzbarer mehrsprachiger Swiss Channel auf Youtube, die erleichterte Nutzung der digitalen Ausstrahlung (DAB+), SRG-Nachrichtenbulletins für Regionalradios und überregionale Fenster für das Regionalfernsehen sind weitere Felder, in denen sich die SRG für eine Zusammenarbeit offen zeigt.

Die SRG wolle mit ihren Kooperationsangeboten ihren Teil dazu beitragen, den Schweizer Medienplatz im internationalen Wettbewerb zu stärken. Sie habe bei bestehenden Kooperationen in der Film- und Musikbranche gezeigt, dass Lösungen möglich seien, bei denen es für alle Partner stimme. Warum sollte dies nicht auch mit interessierten Verlegern möglich sein, so de Weck.

Die Schweizer Verleger reagierten vorerst verhalten auf die Vorschläge. Sie enthielten wenig Neues, sagte Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument. Die Vorschläge seien sehr vage. Lebrument bezeichnete das Vorgehen von SRG-Generaldirektor de Weck als merkwürdig und eigenartig. Der Vorstoß erfolgte nur wenige Tage vor einer Tagung des Verbandes Schweizer Medien, dem Interessenverband der Schweizer Verlagshäuser. (APA/sda, 12.1.2015)

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