#ausnahmslos: Online-Kampagne gegen sexuelle Gewalt und Rassismus nach Köln

12. Jänner 2016, 10:07
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Aufruf nach Vorfällen in Köln findet prominente Unterstützer

Die Vorfälle am Kölner Hauptbahnhof sind nun schon fast zwei Wochen her, doch die Debatte kocht noch immer. In der Silvesternacht waren Frauen von mehreren Gruppen Männern massiv sexuell belästigt und bestohlen worden, mutmaßlich von Personen aus dem arabischen und nordafrikanischen Raum. Auf Twitter hat sich unter dem Hashtag #ausnahmslos eine neue Kampagne gegen sexuelle Übergriffe formiert.

Kampagne auf Twitter und auf eigener Website

In Deutschland wurden unter dem Hashtag so viele Tweets verbreitet, dass er in den Trending Topics landete. Hinter der Kampagne stehen mehrere Journalistinnen,Autorinnen, feministische Aktivistinnen und Wissenschaftlerinnen. Darunter die von #Aufschrei bekannte Autorin Anne Wizorek, Aktivistin Nicole von Horst, die frauenpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Gesine Agena und Journalistin und Netzaktivistin Kübra Gümüsay.

Auf einer eigens gestarteten Website wird der Aufruf "Gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus. Immer. Überall. #ausnahmslos" verbreitet. Gefordert wird unter anderem, dass sexuelle Belästigung in Deutschland zur Straftat erhoben wird, eine offenere Debatte zum Thema sexualisierte Gewalt geführt wird, es bessere Beratungsstellen gibt und Opfer in der medialen Berichterstattung nicht verhöhnt werden.

Gleichzeitig setzen sich die Verfasserinnen dafür ein, dass die Übergriffe nicht von Populisten missbraucht werden. "Es ist für alle schädlich, wenn feministische Anliegen von Populist_innen instrumentalisiert werden, um gegen einzelne Bevölkerungsgruppen zu hetzen, wie das aktuell in der Debatte um die Silvesternacht getan wird", schreiben die Frauen auf der Website.

Prominente Unterzeichnerinnen auch aus Österreich

Die Initiative hat bereits mehrere prominente Unterzeichnerinnen gefunden. Dazu gehören etwa die deutsche Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD), die Vize-Bundestagspräsidentin Claudia Roth (Grüne), Musikerin Inga Humpe, Schriftstellerin Laurie Penny und Netzaktivistin Anke Domscheit-Berg. Auch österreichische Politikerinnen haben unterzeichnet – etwa die Wiener Frauenstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) und die Nationalratsabgeordnete Berivan Aslan (Grüne).

Verhöhnung auf Twitter

Auf Twitter finden sich unter #ausnahmslos allerdings nicht nur Tweets, die die Kampagne unterstützen. Teilweise wird der Hashtag missbraucht, indem Fotos (halb)nackter Frauen mit verhöhnenden Scherzen verbreitet werden. Auch wird Hetze gegen Flüchtlinge betrieben und die Vorfälle in der Silvesternacht relativiert. (Birgit Riegler, 12.1.2016)

  • Die Vorfälle in Köln haben zu mehreren Protestaktionen on- und offline geführt.
    foto: apa/dpa/maja hitij

    Die Vorfälle in Köln haben zu mehreren Protestaktionen on- und offline geführt.

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