Mexikos Chefermittlerin plädiert für Auslieferung von "El Chapo"

12. Jänner 2016, 06:13
33 Postings

Der Chef des Sinaloa-Kartells kann noch eine Reihe von Rechtsmitteln ergreifen

Mexiko-Stadt – Die mexikanische Generalstaatsanwältin Arely Gomez befürwortet eine Auslieferung des Drogenbosses Joaquin "El Chapo" Guzman an die Vereinigten Staaten. "Es gibt Personen, die bereits festgenommen sind, aber nichts mehr zu den Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft beitragen können, während sie in anderen Ländern noch von Nutzen sein können", sagte Gomez am Montag im Radiosender Formula.

Die Vereinigten Staaten haben die Auslieferung des Chefs des Sinaloa-Kartells beantragt. Die US-Behörden werfen ihm unter anderem Mord, Drogenhandel, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Geldwäsche vor. Die Welt schaue nun auf Mexikos Umgang mit Guzman, warnte die US-Regierung am Montag. "Natürlich haben wir den mexikanischen Behörden unsere Sorge über die Gefahr mitgeteilt, die dieses Individuum darstellt", sagte US-Außenamtssprecher John Kirby.

Guzman kann nun Einspruch gegen die Auslieferung erheben. Nach dem juristischen Prozedere liegt das letzte Wort beim mexikanischen Außenministerium. Die Überstellung dürfte mindestens ein Jahr dauern. "Wir haben schon Verfahren gehabt, die vier, sechs Jahre gedauert haben, abhängig von den Rechtsmitteln, die die Verteidigung ergreift", sagte der Abteilungsleiter für internationale Verfahren der mexikanischen Generalstaatsanwaltschaft, Jose Manuel Merino.

Kein Antrag auf vorübergehende Auslieferung

Denkbar wäre auch eine vorübergehende Auslieferung, bei der Guzman an die USA überstellt und dort vor Gericht gebracht wird. Danach müsste er für die noch anhängigen Prozesse wieder nach Mexiko geschickt werden. Dieses Verfahren haben die US-Behörden bisher aber nicht beantragt.

Nach seinem spektakulären Ausbruch aus einem Hochsicherheitsgefängnis vor einem halben Jahr war "El Chapo" am Freitag erneut gefasst worden. Bei dem Einsatz in der Stadt Los Mochis im Westen des Landes kamen fünf mutmaßliche Bandenmitglieder ums Leben, sechs weitere wurden festgenommen. Ein Soldat wurde angeschossen.

Der Fernsehsender Televisa zeigte am Montag Videoaufnahmen, die ein Marineinfanterist bei der "Operation Schwarzer Schwan" mit einer Kopfkamera gemacht hatte. Darauf ist zu sehen, mit welch starker Gegenwehr die Soldaten zu kämpfen hatten. Bei dem Zugriff in einem Haus geraten sie immer wieder unter heftigen Beschuss.

Umstrittenes Interview mit Sean Penn

Guzman und sein lokaler Statthalter Ivan "El Cholo" Gastelum konnten zunächst noch durch die Kanalisation fliehen und ein Auto stehlen. Später wurden sie jedoch an einer Ausfallstraße gefasst und in ein Motel gebracht, wo die Sicherheitskräfte auf Verstärkung warteten.

Nach der Festnahme veröffentlichte die Zeitschrift "Rolling Stone" ein Interview, das Sean Penn und Kate de Castillo im Oktober vergangenen Jahres mit "El Chapo" geführt hatten. Die Kommunikation zwischen den Schauspielern und den Anwälten von Guzman half nach Angaben der Ermittler bei der Ortung des Drogenbosses.

Wegen ihres Kontakts zu "El Chapo" wird jetzt aber auch gegen Penn und De Castillo ermittelt. "Wir müssen sehen, welche Absprachen bei den Treffen gemacht wurden", sagte Generalstaatsanwältin Gomez. "Das kann ein kleines Vergehen wie Begünstigung oder auch etwas Schwerwiegendes sein." (APA, 12.1.2016)

  • Eine Überstellung des Drogenbosses Joaquin "El Chapo" Guzman an die USA dürfte mindestens ein Jahr dauern.
Erratum: Wir zeigten an dieser Stelle zuvor ein Foto des Schauspielers Irineo Alvarez, der Guzman in einem in Kürze erscheinenden Film darstellt. Wir bitten um Nachsicht.
    foto: mexico's federal government via ap

    Eine Überstellung des Drogenbosses Joaquin "El Chapo" Guzman an die USA dürfte mindestens ein Jahr dauern.

    Erratum: Wir zeigten an dieser Stelle zuvor ein Foto des Schauspielers Irineo Alvarez, der Guzman in einem in Kürze erscheinenden Film darstellt. Wir bitten um Nachsicht.

Share if you care.