Belgischer Jihadismus-Experte soll für Extremisten gelogen haben

11. Jänner 2016, 23:25
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AlDe'emeh attestierte Kämpfer vor Gericht Deradikalisierung

Brüssel – In Belgien ist ein bekannter Jihadismus-Experte festgenommen worden, weil er vor Gericht für einen mutmaßlichen Jihadisten gelogen haben soll. Montasser AlDe'emeh, der im Brüsseler Stadtteil Molenbeek eine Beratungsstelle betreibt, soll nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft einem Verdächtigen eine Deradikalisierung attestiert haben, obwohl dieser als Kämpfer nach Syrien ausreisen wollte.

Jawad O. sei am 24. November an dieser Ausreise gehindert und festgenommen worden. Auch sein Bruder Khalid O., Imam einer Moschee im Norden Belgiens, sei festgenommen worden. Er habe gemeinsam mit AlDe'emeh am 27. November vor Gericht erklärt, Jawad O. habe sich deradikalisiert, um ihn freizubekommen. Nun sollen alle drei Männer binnen 24 Stunden vor einem Richter erscheinen, um sich zu den Vorwürfen zu äußern.

Flämischer Palästinenser

AlDe'emeh ist ein flämischer Palästinenser, der regelmäßig in lokalen und ausländischen Medien als Jihadismus-Experte zitiert wird. Er betreibt im Viertel Molenbeek, aus dem auch ein Teil der Verantwortlichen für die Pariser Anschläge mit 130 Toten stammt, ein Zentrum, das junge Belgier davon abhalten will, in den Jihad zu ziehen. Zudem soll abtrünnigen Jihadisten nach ihrer Rückkehr bei der Integration in Belgien geholfen werden.

AlDe'emeh ist auch Autor des Buches "Warum wir alle Jihadisten sind". Die Zahl der belgischen Jihadisten wird auf 500 geschätzt – damit stellt das Land im Vergleich zu seiner Größe überproportional viele islamistische Kämpfer. (APA, 11.1.2016)

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