Nach Angriff auf Postbuslenker: Rufe nach mehr Überwachung

12. Jänner 2016, 05:30
274 Postings

Nach einer Attacke auf einen Postbuslenker beim Busbahnhof Südtiroler Platz fordert der Betriebsrat mehr Sicherheit – etwa mehr videoüberwachte Busse

Wien – Der Betriebsrat des ÖBB-Postbusses hat die mangelnde Sicherheit der Mitarbeiter kritisiert. Als Beispiel wurde auf eine Attacke auf einen Buslenker beim Wiener Busbahnhof Südtiroler Platz nahe des Hauptbahnhofs verwiesen. Der 40-Jährige wurde am 6. Jänner beim Dienstantritt gegen vier Uhr morgens von drei Männern attackiert, verletzt und bestohlen. Diese konnten unerkannt flüchten.

Laut Robert Wurm, dem Zentralbetriebsratsvorsitzenden des ÖBB-Postbusses, war dieser Vorfall "leider kein Einzelfall. Immer aggressiveren Attacken von immer hemmungsloseren Tätern muss endlich ein Riegel vorgeschoben werden", sagte Wurm.

Er fordert mehr Sicherheit am Arbeitsplatz, etwa den generellen Einsatz von videoüberwachten Bussen während der Nachtzeit. "Das kostet in Wahrheit gerade einmal 1000 Euro pro Bus", sagte Wurm dem STANDARD.

Beleuchtung am Abstellplatz fehlt

Der Betriebsrat kritisierte auch die fehlende Beleuchtung am Abstellplatz der Busse beim Südtiroler Platz. Im aktuellen Fall hatte der Buschauffeur sein Gefährt kurz verlassen und war in den Aufenthaltsraum gegangen. Bei seiner Rückkehr habe der Buslenker laut Wurm einen Mann im Bus erblickt und wollte ihn zur Rede stellen. Zwei weitere Täter, die sich im hinteren Busteil aufhielten, hätten den Lenker daraufhin attackiert. Der Chauffeur habe Prellungen am Rücken erlitten, zudem sei ihm seine Geldtasche gestohlen worden. Der attackierte Lenker würde seither über Angstzustände berichten.

Immer mehr Vorfälle

"Die Lenker und Lenkerinnen haben Angst, vor allem in der Nacht", sagte Wurm. Auf dem unbeleuchteten Areal würde es zudem zwei bis drei Fahrzeugeinbrüche pro Woche geben – auch in Privat-Pkws von Mitarbeitern. "Das wird immer mehr." Laut Wurm hätten diese Einbrüche oder andere Vorfälle seit Sommer 2015 zugenommen. "Wenn davor einmal etwas im halben Jahr passiert ist, war es schon viel."

Beleuchtung am Busabstellplatz sei bei den ÖBB laut Wurm bisher "kein Thema" gewesen. "Von den ÖBB habe ich aber informell einen Verweis ausgesprochen bekommen, weil ich öffentlich über den Vorfall spreche." Bei den ÖBB will man den konkreten Vorfall "selbstverständlich aufgeklärt wissen". Dass es einen Anstieg von Angriffen auf Buslenker sowie bei Einbrüchen am und nahe des Busbahnhofs Südtiroler Platz gibt, konnte Pressesprecher Michael Braun aber "nicht bestätigen. Es gab in den vergangenen Jahren extrem wenige Vorfälle".

Am Montag wurde übrigens ein 40-jähriger Flüchtling aus Marokko, der im Oktober 2015 einen Buschauffeur während eines Flüchtlingstransports auf der Tauernautobahn (A10) geschlagen und leicht verletzt hat, in Salzburg zu 20 Monaten teilbedingter Haft, davon zwei Monate unbedingt, verurteilt.

Mehr Kameras bei Wiener Linien

Nach einer Serie von bekannt gewordenen Angriffen auf Fahrer der Wiener Linien hatten die Beschäftigten im Frühjahr 2014 mehr Sicherheit gefordert. Seither wurde die Videoüberwachung ausgebaut, bestätigt Sprecher Dominik Gries. 160 Kameras kommen bald in U-Bahn-Stationen dazu. Zudem würden Mitarbeiter als Präventionsmaßnahme ein Deeskalationstraining erhalten.

Ein Anstieg bei Attacken auf Fahrer sei in den vergangenen Jahren aber ebenfalls nicht feststellbar gewesen. 2014 habe es rund 100 Vorfälle gegeben. "Aber man schaut jetzt sicher verstärkt hin." Zahlen für 2015 lägen noch nicht vor.

In den Öffis und Stationen sind bei den Wiener Linien rund 8000 Kameras im Einsatz. Mehr als die Hälfte würde derzeit auch aufzeichnen. Bei Erneuerungen würden "technische Anlagen so umgestaltet, dass sie auch permanent aufnehmen und nicht nur Livebilder senden können". (David Krutzler, 11.1.2016)

  • Robert Wurm, Zentralbetriebsratsvorsitzender des ÖBB-Postbusses, fordert nach einem Angriff mehr Sicherheit für Fahrer.
    foto: ap / hans punz

    Robert Wurm, Zentralbetriebsratsvorsitzender des ÖBB-Postbusses, fordert nach einem Angriff mehr Sicherheit für Fahrer.

Share if you care.