Präsidentschaftswahl: Fragwürdiger Fischer-Fan

Kommentar11. Jänner 2016, 17:44
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Für Khol war die Wahrheit bisher stets "eine Tochter der Zeit"

Auch wenn der schwarze Hofburg-Kandidat versichert, dass er "ein bescheidener Bundespräsident" sein wolle, vor allem dem Volk verpflichtet, "ganz so wie der derzeitige": Den Fischer-Fan in Andreas Khol kann man ihm nicht abkaufen. Zu lange galt der 74-Jährige als erzkonservativer ÖVP-Chefideologe, als lustvoller Sozifresser, der sich, als sich zur Jahrtausendwende die Gelegenheit bot, zum begeisterten Mitarchitekten von Schwarz-Blau aufschwang. Unvergessen bleiben die Bilder von Khol, als er sich mit FPÖ-Klubchef Peter Westenthaler, der für einen ausländerfeindlichen Kurs stand, verbrüderte.

Darüber können auch Khols schlagfertige Sprüche nicht hinwegtäuschen: dass für ihn bisher – wenn es um schwarzen Machtzuwachs ging – die Wahrheit stets "eine Tochter der Zeit" war. Beispiel gefällig? 2003, kurz bevor Heinz Fischer zum Staatsoberhaupt aufstieg, trat Khol dafür ein, die Rechte des Bundespräsidenten zu beschneiden: Nationalrat auflösen, Regierung ernennen und demissionieren, das war für den Verfassungsrechtler out – wohl damit die umstrittene ÖVP-FPÖ-Regierung ungestört weiter schalten und walten könnte, wie sie wollte.

Heute sagt Khol zu alledem: Damals habe er sich beim Österreich-Konvent eingebracht, in dem eine Änderung der Verfassung beraten wurde, nun sei das kein Thema. Kein Wunder: Denn jetzt geht es der schrumpfenden ÖVP darum, einen einflussreichen Mann in der Hofburg zu installieren. (Nina Weißensteiner, 11.1.2016)

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