Wifo-Chef: Öl- und Gasheizungen verbieten

11. Jänner 2016, 17:38
305 Postings

Österreich hinkt bei Wachstum und Beschäftigung den anderen Euroländern hinterher. Wifo-Chef Karl Aiginger fordert drastische Maßnahmen zum Klimaschutz

Wien – Wifo-Chef Karl Aiginger ermahnt die Regierung, einen Turbo zuzuschalten. Österreich sei auf der Kriechspur mit zwei Krücken unterwegs, hinke beim Wachstum den anderen Euroländern seit zwei Jahren hinterher. Die aktuelle leichte Entspannung sei Sonderfaktoren wie niedrigem Eurokurs und Ölpreis sowie der Steuerreform und den Flüchtlingen geschuldet, sagte Aiginger am Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Verschärft werde die Situation, weil der externe Turbo in Form neuer Absatzmärkte vor der Haustür, "der uns immer verwöhnt hat", auslasse. Seit sechs Jahren sinkende Realeinkommen erstickten den privaten Konsum und damit die Investitionen.

Der Staat sei dabei nicht der Problemlöser, sondern "der stille Räuber", weil Inflation und Progression die Lohnerhöhungen egalisieren. Um Klimaschutzziele und Dekarbonisierung zu erreichen, brauche es innovative Ansätze. Öl- und Gasheizungen etwa sollten in Neubauten nach dänischem Vorbild verboten und durch andere Energieformen, ersetzt werden. Bei Neubauten sollte – auch in Bürogebäuden – nur mehr Niedrigenergiestandards zur Anwendung kommen, empfiehlt der Wifo-Chef. So weitermachen wie bisher, käme jedenfalls teuer, weil die Sanierung wenig energieeffizienter Neubauten später zusätzliche Kosten verursache. "Nicht zuerst falsch bauen und dann Subventionen geben für die Sanierung", sagt Aiginger.

Dänemark als Vorbild

Dänemark ist diesbezüglich radikal, aber nicht ohne Einschränkung: Die Installation von Öl- und Gasheizungen in Neubauten ist seit 2013 untersagt, seit 2016 auch in Bestandsgebäuden – sofern Fernwärme zur Verfügung steht. Als Ersatz forciert werden Elektrowärmepumpen, was aber hohe Anschaffungskosten verursacht. Da Fernwärme nur in Ballungsräumen zur Verfügung steht, sind nicht alle Haushalte betroffen.

Eins zu eins auf Österreich übertragbar scheint dieser radikale Kurs nicht, weil nicht so viel Windenergie zur Verfügung steht. Die Umrüstung auf Strom würde auch die Netze zu Spitzenzeiten gefährden. Angesichts hoher Ökostromzuschläge wäre Heizen mit Strom in Österreich für einkommensschwache Haushalte gar nicht leistbar. Zu zusätzlichen Kostenbelastungen für die Konsumenten dürfe der Kurswechsel nicht führen, mahnt Aiginger, denn mit saftigen Gebührenerhöhungen sei die öffentliche Hand bereits jetzt Kosten- und Inflationstreiber Nummer eins. Der Staat müsse seine Kosten einbremsen, um ökologische und sozial verträgliche Reformen zu finanzieren. Der Staat gebe pro Jahr drei Milliarden Euro zur Förderung fossiler Energieträger aus. Der Umstieg sei genau jetzt wichtig, weil der niedrige Ölpreis das Verharren in fossilen Energiesystemen begünstige.

Öffentliche E-Autos

Das Argument gemeinnütziger Bauträger, zu viele Vorschriften trieben die Baukosten im sozialen Wohnbau in die Höhe, lässt Aiginger nicht gelten: "Die Miete hängt nicht von der Höhe der Baukosten ab, sondern von der Lebensdauer eines Gebäudes", sagt Aiginger.

Zwecks Vorbildwirkung sollte die öffentliche Hand ihre Fuhrparks auf E-Autos umrüsten.

Angesichts der extrem schlechten Stimmung in der Wirtschaft rät der Wifo-Chef der Regierung zu einem Zukunftspakt mit der Bevölkerung mit sechs vertrauensbildenden Maßnahmen:

· Jedes Jahr eine Reallohnerhöhung, wenn die Wirtschaft wächst; Tariferhöhungen sind zwar Sozialpartnerangelegenheit, aber der Staat schöpft durch kalte Progression und Abgaben die Zuwächse ab;

· Niedrige und mittlere Einkommen steigen stärker als höhere; denn sie wachsen in die Progression hinein, sind daher höher besteuert;

· Jedes Jahr mehr Forschung Bildung, erneuerbare Ressourcen, Energieeffizienz;

· Jedes Jahr weniger Beamte und Verwaltung in Bund und Ländern;

· Gebühren steigen maximal halb so viel wie Inflation im Vorjahr;

· Jedes Jahr sinken die Lohnnebenkosten, um die zu hohe Staatsquote von 52 Prozent dauerhaft zu senken. (ung, 11.1.2016)

  • Gemäß Klimastrategie soll nun Heizen mit Öl und Gas von erneuerbarer Energie verdrängt werden.
    foto: andy urban

    Gemäß Klimastrategie soll nun Heizen mit Öl und Gas von erneuerbarer Energie verdrängt werden.

Share if you care.