Hypo-Strafprozess: Zeugen widersprechen einander

11. Jänner 2016, 17:25
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Eigentumsverhältnisse der Insel Jakljan als Hauptthema – Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt

Klagenfurt – Im Untreueprozess gegen Ex-Hypo-Manager Günter Striedinger hat am Montagnachmittag am Landesgericht Klagenfurt der ehemalige US-Diplomat William Montgomery dem Zeugen des Vormittags, dem Unternehmer und Hypo-Kunden Goran Strok, massiv widersprochen. Strok hatte gesagt, Montgomery habe ihm geraten, die Liegenschaft auf der Insel Jakljan zu kaufen. "Das ist eine komplette Lüge", so der Ex-Diplomat.

Montgomery erzählte der Vorsitzenden des Schöffensenats, Richterin Ute Lambauer, er habe mit 35 Jahren Erfahrung im diplomatischen Dienst keinerlei Erfahrung im Hotelgeschäft und hätte Strok nichts raten können. Der Unternehmer habe die Liegenschaften selbst ausgesucht und er habe ihm geholfen, diese zu erwerben.

Er habe nach seinem Ausscheiden aus dem diplomatischen Dienst 2004 für Strok gearbeitet, als ehemaliger Botschafter in drei Ländern sei er für ihn sehr nützlich gewesen. Am Vormittag hatte Strok seinerseits Montgomery als Lügner bezeichnet, weil dieser 2011 ausgesagt hatte, Strok habe nie Eigenkapital besessen. Das wiederholte Montgomery am Montag. Er sei ein "Hasardeur" gewesen, der keine Reserven besessen habe.

Eigentumsprobleme

In der Befragung Montgomerys ging es in erster Linie um die Eigentumsprobleme der Insel Jakljan, die laut Grundbuch zu Kroatien gehörte, jedoch von Serbien zum Verkauf ausgeschrieben wurde. Für eine Bietergarantie und den Kauf der Liegenschaft hatte die Hypo einen Millionenkredit – laut Staatsanwalt ohne Sicherheiten – bewilligt.

Montgomery erklärte, die Aufteilung des ehemaligen Jugoslawiens sei im Nachfolgevertrag geregelt worden. Man habe gewusst, dass diese Insel ein Fall für diesen Vertrag sei. Laut diesem Schriftstück sei für die Republik Serbien die Sache klar gewesen und sie habe aus ihrer Sicht auch nichts unternehmen müssen. Man habe damit gerechnet, dass Kroatien den Vertrag umsetzen würde, auch weil es EU-Mitglied habe werden wollen. Doch Kroatien habe seine Gesetze nie nach den Bestimmungen des Nachfolgevertrags geregelt.

Strok hatte ausgesagt, dass ein Mittelsmann und eine Sicherheitsfirma ein Honorar von 400.000 Euro kassiert haben und dass dieses Unternehmen Montgomery und dessen Frau gehört habe. Als ihm dies vorgehalten wurde, lachte der Zeuge laut auf. Er sei eingestiegen, um das Unternehmen zu verkaufen, was sich allerdings als Fiasko herausgestellt habe. Er habe von dem Unternehmen nie ein Geld bekommen, antwortete er.

Mittelsmann

Richterin Ute Lambauer wollte wissen, wozu man bei einer offenen, internationalen Ausschreibung, wie es der Verkauf der Liegenschaft auf Jakljan durch Serbien gewesen sei, überhaupt einen Mittelsmann gebraucht habe. Darauf antwortete der Zeuge, Serbien sei korrupt gewesen und es habe Gerüchte gegeben, dass die Summen der Angebote gegen Bestechungsgelder bekannt gegeben würden. Den Experten habe man gebraucht, um sicherzustellen, dass alles rechtens abgewickelt wurde. Dieser habe auch herausgefunden, dass laut Jugoslawien-Nachfolgevertrag nicht die Republik Serbien, die das Grundstück anbot, sondern die Stadt Belgrad die rechtmäßige Besitzerin sei.

Montgomery war von Zeugen auch als Partner Stroks bezeichnet worden, der den Plan gehabt habe, ins Unternehmen Jakljan einzusteigen. Dazu erklärte der Zeuge, Striedinger habe ihm einmal gesagt, es wäre gut, wenn er als eine Art "prinzipieller Projektnehmer" fungieren sollte, damit nicht alle Kredite dem Strok-Unternehmen, das bereits ein sehr hohes Obligo aufwies, zugerechnet würden. "Das war aber kein Vorschlag, sondern nur ein lockeres Gespräch und hat auch nichts speziell mit Jakljan zu tun", sagte er. Er habe weder die Absicht noch die finanzielle Möglichkeit, sich an dem Jakljan-Projekt zu beteiligen.

Die Hauptverhandlung wird am 13. Jänner fortgesetzt. (APA, 11.1.2016)

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