Russland kämpft mit Inflation

12. Jänner 2016, 07:02
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Türkei-Sanktionen erhöhen Unsicherheit für Ökonomie

Während in der Kaukasusregion Stawropol Bulldozer schon türkische Mandarinen zerquetschen, liegen im Globus-Supermarkt von Puschkino auch nach Neujahr noch die Quitten aus der Türkei in der Auslage. Das Obst sei vor Inkrafttreten des Importstopps eingeführt worden, erläutert eine Verkäuferin.

Das Importverbot für Lebensmittel ist eine der von Moskaus angedrohten wirtschaftlichen Vergeltungsmaßnahmen für den türkischen Abschuss des russischen Su-24-Bombers, die zum Jahreswechsel wirksam geworden sind. Daneben gibt es Beschränkungen im Tourismus- und Baubereich. Erklärtes Ziel ist es, der türkischen Führung empfindlich zu schaden. Die Folgen für die eigene Wirtschaft werden in der russischen Regierung als "unwesentlich" eingestuft.

Nach Schätzung der Consultingagentur Capital Economics können die russischen Sanktionen das türkische BIP bis zu einem halben Prozent kosten. Am härtesten betroffen ist der Tourismus. Allerdings leiden hier auch die russischen Reisebüros. Die Türkei war neben Ägypten eines der beliebtesten – weil preiswertesten – Urlaubsziele der Russen. Der Wegfall trifft die Industrie. Die Zahl der Reisebüros hat sich 2015 um 70 Prozent verringert.

Durch den Verzicht auf Sanktionen im Rohstoff- und Industriesektor hat die russische Regierung die Folgen für die eigene Wirtschaft minimiert. So wurde zwar das kostspielige Pipelineprojekt Turkstream auf Eis gelegt, doch die bestehenden Gaslieferungen werden nicht angetastet. Die Furcht vor Gegensanktionen im Automobilsektor, wo die Türkei einer der größten Zulieferer ist, und auf dem Agrarmarkt, wo die Türkei größter Abnehmer russischen Getreides ist, hat den Markt aber ergriffen.

Inflation bleibt hoch

Am schärfsten werden sich die Sanktionen aber auf die Preise auswirken. Die Chefanalystin der Alfabank Natalja Orlowa rechnet heuer mit acht Prozent Inflation. "Die Einschränkungen des türkischen Imports können noch einmal 1,5 Prozent auf die Inflation aufschlagen", rechnet sie.

Mittelbar hat dies auch auf das Wirtschaftswachstum Einfluss, denn laut Orlowa wird die Zentralbank dadurch gezwungen, den hohen Leitzins beizubehalten. Kredite für russische Unternehmer werden somit auf absehbare Zeit nicht billiger. (André Ballin aus Moskau, 12.1.2016)

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