"Spotted": Zwei Engel gegen das Enhancement

11. Jänner 2016, 17:18
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Guðjónsdóttirs Performance für ein Frauenduo am 12. und 13.1. im Wuk

Sie sei "ziemlich besessen von der Hierarchie zwischen Performern und dem Publikum", bekennt Margrét Sara Guðjónsdóttir. Eine Folge dieser Leidenschaft der aus Island stammenden Choreografin und Tänzerin ist jetzt im Wuk zu sehen: Spotted, ein Frauenduo mit Louise Dahl und Marie Ursin auf der Bühne. Guðjónsdóttir ist in Wien unter anderem durch ihre Variations on Closer in Erinnerung, die 2013 beim Festival Imagetanz im damals noch existierenden Brut-Konzerthauskeller zu sehen waren. Dieses Gruppenstück war ein Test für Näheverhältnisse zwischen drei Darstellerinnen und ihren Betrachterinnen respektive Betrachtern.

Im Vorjahr nahm die 37-jährige Choreografin eine Residency beim Stockholmer Cullberg Ballet an. Das Stück Spotted kommt aus ihrer im Vorjahr begonnenen vierteiligen Blind Spotting Performance Series. Darin geht es um Antiheldinnen und ihre Verletzlichkeit in sogenannten Leistungsgesellschaften, die Frauen wie Männer dazu drängen, ihre Körper hochzutunen und zu ruinieren.

Neoliberale Körperausbeutung

Bei Spotted treten zwei Frauen vor ihr Publikum, die inmitten der glamourös daherkommenden neoliberalen Körperausbeutung wie entblößte, betäubte Engel erscheinen. Sie zeigen sich als Medien eines von außen aufgedrängten konformistischen Individualismus und "narkotischen" Narzissmus. Das wirft Fragen auf, die feministischen Charakter haben und alle angehen: jene nach der Bedeutung von Privatheit, Intimität und Isolation, wenn das neue Body-Enhancement zur Selbstverständlichkeit zu werden droht. (ploe, 11.1.2016)

12. und 13.1., Margrét Sara Guðjónsdóttir "Spotted", Wuk, Währinger Str. 59, 1090 Wien, 20.00.

www.wuk.at

  • Der Mensch  als Medium  eines von außen aufgedrängten konformistischen Individualismus und eines narkotischen Narzissmus: "Spotted"
    foto: d. kiers

    Der Mensch als Medium eines von außen aufgedrängten konformistischen Individualismus und eines narkotischen Narzissmus: "Spotted"

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