"Anagó": Im Tränenmeer namens Grande Tristeza

11. Jänner 2016, 17:17
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Wiederaufnahme im Odeon bis Ende Jänner: "Anagó. Eine Serapions Fabel" ist eine Hommage an die 2014 verstorbene Theatermitbegründerin Ulrike Kaufmann

Wien – Aufbruch, Scheitern, Suchen, Erkennen: Anagó. Eine Serapions Fabel war die erste, beklemmend schöne Produktion des Serapionstheaters nach dem Tod der Theatermitbegründerin Ulrike Kaufmann im Dezember 2014. Nun werden die Urfragen des Menschseins auf der Bühne des Odeon im zweiten Wiener Bezirk jeweils von Mittwoch bis Samstag (20 Uhr) wieder verhandelt: voller Poesie.

Und mit erstaunlich viel gesprochenem Text, etwa von Hölderlin, Goethe, Mandelstam und Woloschin. Von Gott und Revolution hört und sieht man; von Geist und Materie; von Aufruhr und Wahnsinn; von der Vermessung der Welt; vom Blick in den Himmel und von der verführerischen Schönheit des (beflügelten) Geistes.

Erwin Piplits, der das Serapionstheater gemeinsam mit Sohn Max Kaufmann leitet, steht seit 24 Jahren erstmals wieder selbst auf der Bühne. Schleppenden Schritts sticht er in die bewegte See des Daseins, erforscht eine chaotische, beängstigende, aber auch wunderschöne, von allerlei Fabel-, Engel- und sonstigen Wesen bevölkerte Welt.

Aufbrechen – wohin?

Anagó, basierend auf einer Fabel des Naturforschers und Dichters Adelbert von Chamisso (1781- 1838), kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie aufbrechen, hinaufgehen. Woher kommen wir, wohin gehen wir? Sind wir uns selbst das Maß aller Dinge?

Davon erzählt das Serapions Ensemble: in prächtigen Kostümen aus dem reichen Fundus Ulrike Kaufmanns. Und zu betörend schöner, von Piplits sensibel gewählter Musik (u. a. von Vivaldi, Schostakowitsch, Paganini, Satie sowie georgische Volksmusik).

Max Kaufmann und sein Team haben aus ineinanderfließenden Prospektmalereien, präzise getimten Projektionen und Animationen eine Art Fantasieweltkarte voller unbekannter Inseln und Kontinente geschaffen, die in einem Tränenmeer namens Grande Tristeza schwimmen. (Andrea Schurian, 11.1.2016)

13.-16., 20.-23., 29. sowie 30. 1., jeweils 20.00

www.odeon-theater.at

  • Auf der Suche nach Erkenntnis und Liebe: Erstmals seit 24 Jahren steht Prinzipal Erwin Piplits wieder selbst auf der Bühne des Serapionstheaters im Odeon.
    foto: odeon, s. smidt

    Auf der Suche nach Erkenntnis und Liebe: Erstmals seit 24 Jahren steht Prinzipal Erwin Piplits wieder selbst auf der Bühne des Serapionstheaters im Odeon.

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