So wie es gestern war, so wird es auch heute gehandhabt

13. Jänner 2016, 18:00
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Zwei Sachbücher untersuchen Erfinderreichtum und Pioniergeist in der Vergangenheit in Europa. Sehr oft behinderten politische Strukturen Innovationen

Neidisch blickt der Österreicher nach Kalifornien, in das Silicon Valley, wo es zu den Erfindungen und Entwicklungen kommt, die überall das Leben prägen. Hierzulande ist das nicht so. Über das Warum wird viel gerätselt.

Diese beiden Bücher bieten historische Erklärungen: Der verkrustete europäische Kontinent, insbesondere das verbeamtete Österreich, sind nicht imstande, Neues zu erkennen, und sei es noch so spektakulär. Anstatt offen gegenüber dem Neuen zu sein, wird der Erfinder als Bittsteller abgeschasselt, als jemand, der den Verwaltungsalltag stört, weil er Unbekanntes mitbringt. Österreich kann Erfindungen bestenfalls verwalten – und dabei sehr oft ruinieren, zeigen diese sehr interessanten Bücher.

Die beschriebenen Erfinder in dem Buch Verkannte Pioniere stammen aus ganz Europa; ihr Schicksal ist durch die Bank tragisch. Es sind aufrechte Handwerker und Bauern mit klugen Ideen und Geschick. Ihnen wird nicht geholfen, sie werden nicht gehört und als Spinner abgetan. Subalterne Beamte schotten die Entscheidungsträger ab.

Da macht sich der Südtiroler Peter Mitterhofer (1822-1893) mehrmals in seinem Leben zu Fuß auf nach Wien, dem Kaiser seine Erfindung zeigen. Am Rücken trägt er eine aus Holz geschnitzte Schreibmaschine. Die Briefe, Bittgesuche an den Kaiser, sind erhalten und zeugen von tiefem Glauben daran, dass die Obrigkeit die richtige Entscheidung treffen wird. – Sie trifft sie nicht. Die US-Gewehrfabrik Remington & Sons setzt fast zeitgleich auf die Idee einer Schreibmaschine und reüssiert damit weltweit.

Österreichische Grenzgänger

Auch bei erfolgreichen Erfindern kommt es oft zu einem tragischen Schicksal, zeigt das Buch Grenzgänger, das sich ganz österreichischen Pionieren widmet. So dem Industriellen Ludwig Hatschek (1846-1914), der die Eternit-Werke gründete. Seine Erfindung, ein Asbestzement, legte einen Siegeszug sondergleichen hin – bis die enorme Gesundheits- und Umweltschädlichkeit erkannt und der Werkstoff verboten wurde. (Johanna Ruzicka, 11.1.2016)

  • Alwin Schönberger, Grenzgänger.  € 22,50 / 205 Seiten, Brandstätter, 2015

    Alwin Schönberger, Grenzgänger. € 22,50 / 205 Seiten, Brandstätter, 2015

  • Armin Strohmeyr, Verkannte Pioniere.  € 18,80 / 303 Seiten, Styria premium, 2015

    Armin Strohmeyr, Verkannte Pioniere. € 18,80 / 303 Seiten, Styria premium, 2015

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