Diabetes macht Frauen Herzinfarkt-anfälliger

11. Jänner 2016, 15:38
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Frauen mit Typ-2-Diabetes erleiden nach neuen Erkenntnissen häufiger als zuckerkranke Männer einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Das stellte die Deutsche Diabetes-Gesellschaft fest.

Berlin/Washington – Die Entwicklung und der Verlauf von Diabetes Typ 2 ist nicht nur etwa vom Alter, von anderen Begleitkrankheiten oder dem sozialen Milieu des Patienten abhängig, sondern auch maßgeblich vom biologischen Geschlecht. "Seit langem ist bekannt, dass Frauen vor den Wechseljahren deutlich seltener einen Herzinfarkt erleiden als gleichaltrige Männer", sagt Dirk Müller-Wieland, Vizepräsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Ein Grund dafür ist ihre höhere Insulinempfindlichkeit und bessere Insulinausschüttung,

"Dass eine Diabeteserkrankung dieses Verhältnis umkehrt, ist der Öffentlichkeit dagegen nicht bewusst", ergänzt der Experte. Das zeigte eine Auswertung von US-Kardiologen. Konkret heißt das: Frauen, die an Typ-2-Diabetes erkranken, erleiden auch häufiger und früher einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Zudem sterben sie auch häufiger daran.

Auch das chronische Herzversagen, eine Spätfolge eines überlebten Herzinfarktes, ist bei Frauen mit Typ-2-Diabetes häufiger. Die Ursachen dafür sind Müller-Wieland zufolge allerdings nicht ganz klar. "Ein Grund könnte sein, dass die Folgen des Typ-2-Diabetes für Frauen von Ärzten und Betroffenen unterschätzt werden", vermutet der Experte. So erhalten Frauen seltener Medikamente gegen hohen Blutdruck oder gegen hohe Cholesterinwerte, die wichtige Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall sind. "Sie nehmen zudem nach einem Herzinfarkt seltener Aspirin ein, das einem weiteren Herzinfarkt vorbeugen kann", ergänzt der Experte.

Hormonelle Störungen möglicherweise Ursache

Hormonelle Störungen könnten ebenfalls eine Rolle bei dem Geschlechterunterschied spielen. Zwischen sechs und acht Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter haben ein polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS). Es ist neben Zyklusstörungen und einem Anstieg männlicher Geschlechtshormone auch mit einem Wirkungsverlust von Insulin verbunden.

"Frauen mit PCOS sind häufig übergewichtig mit einer ungünstigen Ansammlung von Fettgewebe im Bauchbereich, die das Risikoprofil weiter verschlechtert", sagt DDG-Präsident Baptist Gallwitz vom Universitätsklinikum Tübingen.

Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft appelliert deshalb an die Ärzte, das besondere Risiko von Frauen mit Diabetes bei der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu beachten. "Aber auch die Frauen selbst können etwas tun", sagt Gallwitz. "Studien zeigen, dass Frauen mit Typ-2-Diabetes stärker als Männer von einer Änderung des Lebensstils profitieren."

Dazu gehört neben einer gesunden Ernährung auch körperliche Aktivität. Frauen müssten laut dem aktuellen Wissensstand zwar mehr Engagement zeigen als Männer, die Hürden sind jedoch nicht unüberwindbar. "In der Nurses Health Study, einer Langzeitstudie an amerikanischen Krankenschwestern, konnten Frauen mit Diabetes ihr Herz-Kreislauf-Risiko bereits mit zwei Stunden Sport in der Woche senken", berichtet Gallwitz. (APA, 11.1.2016)

  • Die Folgen des Typ-2-Diabetes bei Frauen werden von Ärzten und Betroffenen unterschätzt.
    foto: eyedea / picturedesk.com

    Die Folgen des Typ-2-Diabetes bei Frauen werden von Ärzten und Betroffenen unterschätzt.

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