Streit mit FMA nützte Schuhrebell Staudinger

11. Jänner 2016, 14:19
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Der öffentlich ausgetragene Streit mit der Finanzmarktaufsicht hat sich für den Waldviertler Schuhhändler Heini Staudinger mehr als ausgezahlt

Wien – Der öffentlich ausgetragene Streit mit der Finanzmarktaufsicht (FMA) hat sich für den Waldviertler Schuhhändler Heini Staudinger mehr als ausgezahlt. "2015 hatten wir den höchsten Umsatz der Firmengeschichte." Vom neuen Crowdfunding-Gesetz, als dessen Wegbereiter Staudinger gilt, macht er selbst nicht Gebrauch.

Staudinger kam wegen seines Finanzierungsmodells in Konflikt mit dem Gesetz. Er hatte sich von Privatpersonen 2,8 Millionen Euro geliehen und dafür vier Prozent Zinsen gezahlt. Das war laut FMA und Höchstgericht ein illegales Bankgeschäft.

In der Folge stellte Staudinger auf Nachrangdarlehen um. Fast alle der damals 184 Geldgeber seien mitgezogen, obwohl damit erhebliche Risiken für Anleger verbunden sind, sagte Staudinger am Montag.

Alternativfinanzierungsgesetz "zum Großteil klug"

Zwischenzeitlich hat er noch mehr Geld bei Bekannten und Kunden eingesammelt. "Derzeit haben wir von 350 Leuten 4,5 Millionen Euro." Dabei handle es sich ausschließlich um Nachrangdarlehen. Sollte er eine weitere Finanzierungsrunde starten, würde er das Alternativfinanzierungsgesetz (AltFG) nutzen. "Die Spielregeln sind zum großen Teil klug."

Staudingers Streit mit der FMA hatte die Debatte über Crowdfunding ins Rollen gebracht. Seit 1. September 2015 ist nun das AltFG in Kraft. Damit ist die Finanzierung von Firmenprojekten über viele kleine Anleger auf rechtliche Beine gestellt.

Konsolidierung steht an

Staudinger hat mit dem Anlegergeld zuletzt den Werksverkauf bei den Waldviertler Werkstätten in Schrems ausgebaut. "Wir verkaufen dort weit über 20.000 Paar Schuhe im Jahr", so der Geschäftsmann. "Unzählige Autobusse kommen – wir sind so attraktiv, weil man die aussterbenden Viecher gerne besucht."

Die Waldviertler Werkstätten haben 2015 laut Staudinger 18,5 Millionen Euro umgesetzt, die 22-Gea-Schuhgeschäfte, die er selbst betreibt, 12,5 Millionen. "Wir machen jetzt 31 Millionen Euro Umsatz. Bevor die Lehman Brothers in Konkurs gegangen sind, waren es keine zehn Millionen." Der Gewinn sei im Vorjahr bei einer knappen Million vor Steuern gelegen. "Die letzte negative Bilanz haben wir 1997 gehabt."

2016 will Staudinger nicht groß expandieren. Nun gelte es, die Strukturen zu stärken. Neben seinen eigenen 22 Gea-Geschäften gibt es noch rund 30 Franchise-Filialen, 18 Geschäfte befinden sich in Deutschland.

Geyrhalter-Film über Staudinger kommt ins Kino

Die Streitigkeiten mit der FMA seien alle beendet. Vor Gericht hatte Staudinger verloren. Da er sich in der Folge dennoch weigerte, eine Verwaltungsstrafe der FMA in Höhe von 2.626 Euro zu zahlen, kam im Juni 2015 der Exekutor. "Die Strafe haben wir gut verkraftet. Ich glaube, dass die Republik mit diesen Spielchen das Wichtigste verliert: das Vertrauen der Bürger." Im April kommt Staudinger sogar ins Kino. Die Nikolaus-Geyrhalter-Filmproduktion (unter anderem "Unser täglich Brot") hat einen Film namens "Das Leben ist keine Generalprobe" über den Schuhhändler gedreht. (APA, 11.1.2016)

  • Der "Finanzrebell" hat vom Streit mit der FMA profitiert.
    foto: apa/robert jäger

    Der "Finanzrebell" hat vom Streit mit der FMA profitiert.

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