Khol: Vom Sozifresser zum Fischer-Fan

Kommentar11. Jänner 2016, 14:10
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Den Fischer-Fan in Andreas Khol kann man ihm nicht recht abkaufen

Auch wenn der schwarze Hofburg-Kandidat versichert, dass er "ein bescheidener Bundespräsident" sein wolle, vor allem dem Volk verpflichtet, "ganz so wie der derzeitige": Den Fischer-Fan in Andreas Khol kann man ihm nicht recht abkaufen. Zu lange galt der 74-jährige als erzkonservativer ÖVP-Chefideologe und als lustvoller Sozifresser, der sich, als sich zur Jahrtausendwende die erste Gelegenheit bot, zum begeisterten Mitarchitekten von Schwarz-Blau aufschwang. Unvergessen bleiben von Khol auch die Bilder, als er sich mit FPÖ-Klubobmann Peter Westenthaler, der für einen ausländerfeindlichen Kurs stand, verbrüderte.

Darüber können auch eineinhalb Jahrzehnte später Khols schlagfertige Sprüche nicht hinwegtäuschen: dass für ihn bisher – vor allem, wenn es um den schwarzen Machtzuwachs ging – die Wahrheit stets "eine Tochter der Zeit" war. Beispiel gefällig? 2003, kurz bevor Heinz Fischer zum Staatsoberhaupt aufstieg, trat Khol noch dafür ein, die Rechte des Bundespräsidenten zu beschneiden: Nationalrat auflösen, Regierung ernennen und demissionieren, das war für den gewieften Verfassungsrechtler plötzlich out – wohl, damit die umstrittene ÖVP-FPÖ-Regierung ungestört weiter schalten und walten können sollte, wie sie wollte.

Heute sagt Khol zu alledem: Damals habe er sich beim Österreich-Konvent eingebracht, in der eine Gesamtänderung der Verfassung beraten wurde, nun sei das kein Thema mehr. Kein Wunder: Denn jetzt geht es für die schrumpfende ÖVP darum, einen einflussreichen Mann in der Hofburg zu installieren. (Nina Weißensteiner, 11.1.2016)

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