Bundespräsident: Viele Kandidaten machen TV-Duelle unwahrscheinlicher

11. Jänner 2016, 13:14
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Fünf Kandidaten würden zehn Duelle bedeuten – Fernsehsender warten bei ihren Plänen ab, bis alle Kandidaten feststehen – ATV schließt gemeinsame Sendungen mit ORF aus

Wien – Bundespräsidentenwahl 2016: Nachdem aller Voraussicht nach erstmals seit 1998 wieder mindestens fünf Kandidaten im Rennen sind, bringen sich hinter den Kulissen auch die TV-Sender in Stellung. Wobei die Vielzahl der Bewerber Einzelduelle im Fernsehen unwahrscheinlicher macht, bei fünf Kandidaten wären es nämlich bereits zehn Duelle.

"Bei entsprechend vielen Kandidaten führt das zu einer Unzahl an Duellen", meint etwa der ATV-Chefredakteur Alexander Millecker. Einzelkonfrontationen würden auch einen logistischen Aufwand bedeuten. "Diese Sendungen muss ja auch wer produzieren", so Millecker. Momentan gebe es keine Präferenz, ob man eher Einzelduelle oder eine gemeinsame Elefantenrunde aller Kandidaten ausstrahlen werde.

Abwarten

Der private ORF-Konkurrent will für finale Entscheidungen abwarten, bis bei allen Parteien die Kandidaten feststehen, vorerst arbeite man mit Hypothesen, erklärte Millecker. Aus seiner Sicht sei "noch völlig offen, was die FPÖ macht". Für ATV habe die Bundespräsidentenwahl jedenfalls eine "ähnliche Wertigkeit wie Nationalratswahlen".

Auch beim ORF ist die Entscheidung, wie dort die Kandidaten gegeneinander antreten sollen, noch nicht gefallen. Es werde jedenfalls eine "umfassende Berichterstattung zur Wahl geben", teilte ORF-Sprecher Michael Krause mit. "Dafür stehen jede Menge erfolgreiche und etablierte Formate im ORF zur Verfügung. Welche das genau sein werden, wird entschieden, sobald die Anzahl der Kandidaten feststeht, voraussichtlich ab Ende Jänner."

Im ORF haben Einzelduelle bei Präsidentschaftswahlen – anders als bei Nationalratswahlen – keine Tradition. In der Vergangenheit trafen die Kontrahenten erst bei einer Stichwahl direkt aufeinander. Einzelduelle bieten vor allem den Vertretern der kleineren Parteien, eine öffentliche Plattform. Die größeren Parteien sind einer solchen medialen Aufwertung der politischen Gegner eher abgeneigt.

ATV schließt gemeinsame Sendungen mit ORF aus

Die Parteien und deren Kandidaten haben bei TV-Konfrontationen jedenfalls ein wichtiges Wort mitzureden. Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) etwa hatte sich im Vorfeld der Wien-Wahl im vergangenen Oktober nur zu einer einzigen Fernsehkonfrontation bereit erklärt. ORF und Puls 4 veranstalteten daraufhin die Elefantenrunde mit den Spitzenkandidaten gemeinsam.

ATV lehnte dies damals ab und schließt auch bei der nun bevorstehenden Bundespräsidentenwahl eine solche gemeinsame Sendung aus. "Das wird es ganz sicher nicht geben", so Millecker.

Elefantenrunde

Puls 4 plant sowohl Einzel-Interviews mit jedem Kandidaten als auch eine Elefantenrunde vor der Wahl. Am Tag der Bundespräsidentenwahl plant der Sender eine Sondersendung "Wahlschauen mit Puls 4" mit Kommentatoren und Experten im Studio und Außenstellen in der Hofburg und den Parteien. Außerdem soll es auf Puls 4 noch viele weitere Sondersendungen geben, die allerdings erst geplant werden, wenn alle Kandidaten fix feststehen. (APA, red, 11.1.2016)

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