Linux 4.4 mit freien Grafiktreibern für Raspberry Pi veröffentlicht

11. Jänner 2016, 08:59
21 Postings

Bessere Netzwerk-Performance, 3D-Beschleunigung für KVM-Gäste und viele aktualisierte Treiber

Nach dem Jahreswechsel kommt wieder frischer Wind in die Entwicklung des Linux-Kernels. Mit Linux 4.4 hat Chefentwickler Linus Torvalds eine neue Version der freien Software veröffentlicht. Und wie von früheren Updates gewohnt, zeichnet sich auch diese wieder durch eine Fülle von Neuerungen quer durch alle Bereiche des Kernels aus.

Virtueller Desktop

Mit Linux 4.4 wird das letzte Puzzlestück zur 3D-Beschleunigung der Grafikausgabe von virtuellen Maschinen via dem freien KVM geliefert. In Kombination mit Mesa 11.1 und Qemu 2.5 kann das Gastsystem nun die 3D-Funktionen der Host-Grafikkarte nutzen. Dies sollte die Performance von Linux-Desktops in entsprechenden VMs erheblich verbessern.

Netzwerk

Alle Linux-Nutzer sollten von Optimierungen am Netzwerk-Subsystem profitieren. Die neue Kernel-Version ist flinker bei bei der Verarbeitung von TCP Handshakes. Dies führt dazu dass Latenzen minimiert werden, was einerseits die allgemeine Performance steigert, aber auch Distributed Denial of Service (DDoS)-Attacken schwerer macht. Immerhin sind so künftig umfangreichere Angriffe nötig, um den Kernel in die Knie zu zwingen.

SSDs

Verbesserungen gibt es auch für High-End-SSDs: Ein neues Framework namens LightNVM beschleunigt das Arbeiten mit für Server gedachten Open-Channel-SSDs. Dabei übernimmt der lokale Rechner Aufgaben, die sonst die SSD-Firmware erledigt. Noch als experimentell werden hingegen Verbesserungen am Block Layer angesehen: Durch die Nutzung von Polling bei der Übertragung an besonders flotte Datenträger soll die diesbezügliche Geschwindigkeit gesteigert werden. Einen ähnlichen Trick nutzt übrigens schon seit einiger Zeit das Netzwerk-Subsystem von Linux, wie heise open herausstreicht.

Raspberry Pi

Erstmals ist im Linux-Kernel auch ein Open-Source-Grafiktreiber für jene Broadcom-Chips enthalten, die beim Raspberry Pi genutzt werden. Bisher musste für diese Aufgaben auf die proprietäre Firmware des Herstellers zurückgegriffen werden. Der neue Treiber ist in seiner Funktionalität allerdings noch eingeschränkt, Funktionen zur 3D-Beschleunigung sollen erst mit Linux 4.5 nachgereicht werden.

Intel

Natürlich bringt der neue Kernel aber auch auch wieder zahlreiche Aktualisierungen an anderen Grafiktreibern. So können etwa die Intel-Treiber nun den bei Skylake- und Broxton-CPUs verbauten Scheduler nutzen, um die Grafikkommandos umzusortieren und so die Ausgabe weiter zu beschleunigen.

UI

Änderungen gibt es auch bei der Konfiguration des Kernels mittels der grafischen Oberfläche: der Support für Qt3 wurde entfernt, statt dessen nutzt der Kernel nun mit Qt5 die aktuelle Generation des Toolkits.

Download

Linux 4.4 kann in Form des Source Codes von der Seite des Projekts heruntergeladen werden. Wie üblich wird die neue Version aber auch recht schnell in die Entwicklungsversionen zahlreicher Linux-Distributionen eingepflegt und über deren Kanäle vertrieben werden. (apo, 11.1.2016)

  • Die LInux-Welt kennt viele Distributionen und einen Kernel.
    grafik: linux

    Die LInux-Welt kennt viele Distributionen und einen Kernel.

Share if you care.