Attentat in Hurghada: Horizontaler Terror

Kommentar10. Jänner 2016, 19:14
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Terrororganisationen werden durch Mitläufer noch gefährlicher und unberechenbarer

Es ist nur ein schwacher Trost, dass die beiden Messerstecher von Hurghada nicht beziehungsweise nur untereinander organisiert waren und "dilettantisch" vorgingen: ein Wort, das man in diesem Zusammenhang nur verwenden darf, weil das eines der Opfer getan hat.

Auch größere und professionellere Attentate wurden bereits vor den Zeiten des "Islamischen Staates" teilweise von Tätern verübt, die nicht von einer Terrorzentrale verwaltet und geschickt wurden, sondern sich selbst berufen fühlten und allein handelten. Genau das ist ja die fürchterliche Stärke von internationalen Terrororganisationen, dass sie, selbst wenn sie einen gut organisierten Apparat haben, der "Horizontalität" Raum lassen. Gruppen und Täter reihen sich an, von denen die "Mutter" selbst noch gar nichts weiß. Und manchmal, vielleicht ja auch in Hurghada, finden potenzielle Gewalttäter erst den Mut für ihre Taten, wenn sie ein übergeordnetes Ziel deklarieren können.

Für Ägypten, das vor fünf Jahren voll Staunen auf den Sturz von Ben Ali in Tunesien schaute und kurz darauf dem tunesischen Beispiel folgte, ist das ein großes Unglück. Nach äußerst schwierigen Jahren brechen nun auch noch jene Bastionen des Fremdenverkehrs ein, die bisher für sicher gehalten wurden. Das österreichische Außenministerium hat die Terrorwarnung hinaufgestuft: Und das geht wohl nicht anders, obwohl man weiß, dass theoretisch der nächste Vorfall in einem Wiener Café kommen kann. Gudrun Harrer, 10.1.2016)

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