Dreimal Ottensamer: Wenn der Vater mit den Söhnen

10. Jänner 2016, 18:18
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Musikverein: Wiener Philharmoniker mit Andris Nelsons

Wien – Wie immer gut begonnen hat das neue Jahr für die Wiener Philharmoniker: Das Orchester durfte sich beim Neujahrskonzert weltweiter wohlwollender Aufmerksamkeit erfreuen. Gut begonnen hat das neue Jahr auch für Ivan Eröd: Der österreichisch-ungarische Komponist wurde am 2. Jänner 80 Jahre alt, und genau acht Tage nach seinem runden Geburtstag brachten die Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Andris Nelsons erstmals ein Werk von ihm zur Aufführung. "Ganz nett" fand der grundsympathische Komponist und langjährige Kompositionslehrer den Akt der Zuwendung des Orchesters – manche seiner Kollegen hätten da bis zu ihrem 100. oder 150. Geburtstag warten müssen, meinte Eröd in der Programmpostille der Gesellschaft der Musikfreunde.

Eröds Opus 92 wurde am Sonntagvormittag im Großen Saal vorgestellt, das dreisätzige Tripelkonzert für drei Klarinetten und Orchester. Drei Klarinetten – da war doch was? Genau: Ernst Ottensamer, langjähriger Soloklarinettist des Orchesters, bildet zusammen mit seinen Söhnen Daniel und Andreas, beide ebenfalls Soloklarinettisten bei den Wiener und den Berliner Philharmonikern, das Ensemble The Clarinotts.

Keine Langeweile

Diesen drei Widmungsträgern schrieb Eröd ein farbiges, kurzweiliges Werk. Ein schnell wechselnder Szenenverlauf ließ keine Langeweile aufkommen, eine gemäßigt moderne Tonsprache keinerlei verstörende Unverständlichkeiten. Die Ottensamers – nicht alle waren mit einem optimalen Blatt gesegnet – musizierten locker-jovial und mit vollem Körpereinsatz. Die drei Profi-Entertainer gaben ein virtuoses Arrangement von Copacabana zu: Da könnten sich, mit etwas Managementgeschick, noch Popularitätssteigerungen bis hinauf zu Florian Silbereisens Samstagabendshows auftun!

Haydns effektvolle B-Dur Symphonie Hob. I:102 und Beethovens Eroica umrahmten die Uraufführung. Wohlerzogen, damenhaft, grazil ließ Nelsons den Haydn musizieren, mit einem hurtigen Finale; bei der Eroica malte der 37-Jährige ein weites, detailgenaues Gefühlspanorama, aufgespannt zwischen vitaler Kraft und präziser Delikatesse. Erinnerte der verstorbene Pierre Boulez bei seinen Dirigaten eher an einen Polizisten, der an einer Kreuzung mäßig ambitioniert den Verkehr regelt, so ist beim designierten Gewandhauskapellmeister alles lächelnde Biegsamkeit, mitreißender Elan.

Bei den Philharmonikern musizierten einige neue Kräfte mit; erfreulich, dass das Orchester nun endlich weiblicher wird: Beim Beethoven waren bei den Streichern schon zwölf Musikerinnen mit dabei. Applaus auch für dieses Positivum im neuen Jahr. (Stefan Ender, 10.1.2016)

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