"Salon Privé": Der Grill, der Rap, seine Diva und ihre Gespenster

10. Jänner 2016, 17:48
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Mit dem "Salon Privé" in der Akademie der bildenden Künste Wien ging ein Transmanierismus zu Ende

Wien – Mit einem Salon Privé wurde am Samstag in der Wiener Akademie der bildenden Künste der Performance-Abschlussabend von Aufgerissenen Auges: Transmanieristische Reaktionen gefeiert. Die Weihnachts- und Jahreswechseltage hatten eine Reihe von Ausfällen im Programm mit sich gebracht. Aber Roberta Lima und Moritz Gottschalk, die das Event kuratierten, wussten zu improvisieren.

Die Ausstellung im xhibit-Space der Akademie war ein intelligenter Kommentar zur gegenwärtigen Kultur. Keine schlechte Idee, den Manierismus, eine heiß umstritten gewesene Periode der Spätrenaissance, die sich in Tendenzen bis ins 17. Jahrhundert fortsetzte, auf Parallelen zum Heute abzuklopfen. Während der historische Manierismus das Wilde und Komplexe, die Durchdringung von Kunst und Welt, feierte, setzt das Experiment mit diesem Begriff jetzt in einer als bereits überkompliziert geltenden Kultur an. Unsere Gegenwart ist bis zur Schmerzgrenze mit Gegensätzen angereichert. In der Folge herrscht in der Kunst ein Drang zu Mischung, Queerness und Wechsel. Die Ausstellung verdeutlicht dies durch ein "Trans-" vor dem ins Jetzt übertragenen Manierismus.

Mit Honig bepinseln

Entsprechend tanzten im Salon Privé die Choreografin Brigitte Wilfing und der Künstler Moritz Gottschalk zur Arie des "Cold Genius" aus Henri Purcells Semi-Oper King Arthur von 1691. Und daher wurde, im hellen Scheinwerferlicht kaum wahrnehmbar, Peter Greenaways Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber aus dem Jahr 1989 wie das Gespenst eines Films projiziert. Ja, richtig – die Moderne hatte mit den Roaring Eighties ja schon ihren Manierismus, auf den heute intensiv reagiert wird. Im Salon Privé tat das auch die Gruppe Hotel Butterfly mit einer queeren Riesen-Diva, unter deren zeltgroßem Krinolinenrock das Publikum den Körper des Darstellers mit Blütenhonig – wie kann es anderes sein – der Marke Grandessa bepinseln konnte.

Diese friedliche Stimmung durchbrach Karolina Preuschl, die schon beim Akademie-Rundgang 2013 eine zum manieristischen Thema passende Performance gezeigt hatte: ein historisch kostümiertes Paar an einer reich gedeckten Tafel, deren Speisefülle inklusive Torten ausschließlich aus Würsten bestand. Jetzt servierte sich Preuschl als transmanieristische Reaktion selbst – ebenfalls auf einem Tisch und mit einer Flasche Gösser, Noise-Musik und rotzigen Texten. Zum Herunterkommen machte Pete Prison IV im Foyer die Würstel heiß.

Den Übergang in den Rap redete Brigitte Wilfing mit einer Sprechperformance herbei, ließ mit Anspielung auf den französischen Philosophen Jean-Luc Nancy "das Denken aus der Haut fahren" und war so die überleitende Figur zu dem Rap-Duo EsRaP, Esra und Enes Özmen. Die beiden brachen das manieristische Spiel des Salons so befeuernd auf, dass dem Publikum in der akustischen Hölle der Akademie-Aula ganz anders wurde. (Helmut Ploebst, 11.1.2016)

  • Wer von Karolina Preuschls Performance, in der sie sich selbst servierte, nicht satt wurde, bekam Würstel von Pete Prison IV.
    foto: akademie der bildenden künste wien

    Wer von Karolina Preuschls Performance, in der sie sich selbst servierte, nicht satt wurde, bekam Würstel von Pete Prison IV.

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