Angreifer von Paris lebte in deutscher Asylbewerberunterkunft

10. Jänner 2016, 09:42
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In Deutschland war er unter vier Aliasnamen registriert

Berlin/Paris – Der am Donnerstag beim Angriff auf Pariser Polizisten erschossene Mann hat nach offiziellen Angaben in einer Asylbewerberunterkunft im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen gewohnt. Er lebte in einer Wohnung auf dem Gelände einer Unterkunft in Recklinghausen, wie das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt (LKA) am späten Samstagabend mitteilte.

Einsatzkräfte der Polizei hätten die Wohnung am Samstag unter LKA-Leitung untersucht. Vorausgegangen seien konkrete Hinweise französischer Sicherheitsbehörden. Der Mitteilung zufolge ergaben sich nach bisherigen Erkenntnissen keine Hinweise auf weitere mögliche Anschläge. Weitere Einzelheiten nannte das LKA zunächst nicht.

Der Mann war am ersten Jahrestag des Anschlags auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" auf zwei Polizisten zugelaufen, hatte "Allah ist groß" gerufen und ein Schlachterbeil gezogen. Die Beamten erschossen ihn. Ermittler fanden bei ihm ein Bekenntnis zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und in seinem Handy eine deutsche Sim-Karte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordversuchs und Terrorismus.

IS-Zeichen an Wand gemalt

Wie die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf deutsche Sicherheitskreise schreibt, war der Mann in Deutschland unter vier Aliasnamen registriert, Asyl habe er unter dem Namen Walid Salihi beantragt. In einer Flüchtlingsunterkunft in Recklinghausen habe er im September 2015 das Zeichen des IS an die Wand gemalt. Die in Deutschland angegebenen Staatsangehörigkeiten waren der Zeitung zufolge einmal syrisch, einmal marokkanisch, einmal georgisch. Der Mann sei dort zudem mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten.

In Frankreich hatte sich der Mann laut Staatsanwalt bei einer früheren Kontrolle als Marokkaner ausgegeben. In einem bei ihm gefundenen Schreiben nannte er dagegen einen anderen Namen und bezeichnete sich als Tunesier – als dieser soll er französischen Medien zufolge auch von seinem Umfeld erkannt worden sein. Seine tatsächliche Identität ist aber noch nicht offiziell bestätigt.

Nach Informationen des Nachrichtenportals "Spiegel Online" posierte der Mann in seiner nordrhein-westfälischen Flüchtlingsunterkunft mit einer IS-Fahne. Die Landesbehörden stuften ihn demnach als Verdachtsfall ein, doch im Dezember 2015 verschwand er spurlos aus Recklinghausen.

Angreifer auch in Schweiz und Luxemburg

Der Mann soll sich laut Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve außer in Deutschland auch in der Schweiz und Luxemburg aufgehalten haben.

Heute sei bekannt, dass er ohne Zweifel tunesischer Herkunft sei und "dass er sich in mehreren Ländern der Europäischen Union aufgehalten haben soll, in Luxemburg, der Schweiz, Deutschland", sagte Cazeneuve am Sonntag.

Auf die Frage, ob der Mann möglicherweise Komplizen gehabt habe, erwiderte er in dem Interview mit den Sendern Europe 1 und iTele sowie der Zeitung "Le Monde": "Meines Wissens nicht."

Er rief die Medien zur Vorsicht im Hinblick auf Informationen über den Mann auf. Dessen Aufenthalt in einer deutschen Asylbewerberunterkunft könne er nicht bestätigen, weil er nicht wisse, ob die Informationen zutreffen. Das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt hatte am späten Samstagabend mitgeteilt, dass der Mann zeitweise in einer Asylbewerberunterkunft in Recklinghausen gewohnt habe. Er war am Jahrestag des islamistischen Anschlags auf "Charlie Hebdo" auf zwei Polizisten zugerannt und hatte ein Schlachterbeil gezogen. (APA/dpa, 10.1.2016)

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