Grazer SPÖ-Chefin will Van der Bellen unterstützen

9. Jänner 2016, 11:57
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Vizebürgermeisterin Martina Schröck sieht im (nicht) grünen Kandidaten "moralische Instanz". Michael Häupl und Peter Kaiser wollen Hundstorfer

Graz/Wien – Dort, wo sich der Wahlkampf um die Bundespräsidentschaft bisher abspielt, nämlich auf Facebook, ließ die Grazer SPÖ-Chefin und Vizebürgermeisterin, Martina Schröck, nun aufhorchen: "Ich fände es gut, wenn die Sozialdemokratie die Präsidentschaftskandidatur von Alexander Van der Bellen unterstützen würde," schrieb Schröck da über eine Meldung des ORF, dass Van der Bellen kandidieren wird. Das Posting der Politikerin wurde von einigen Hundert geliket – darunter auch grüne und rote Funktionäre.

Für einen "guten Kandidaten" hält hingegen Wiens Bürgermeister, Michael Häupl (SPÖ), Sozialminister Rudolf Hundstorfer (ebenfalls SPÖ), wie Häupl am Samstag im ORF-Radio bestärkte. Auch der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser spielt im Team Hundstorfer, von dessen Antreten er fix ausgehe.

"Rudi Hundstorfer soll Sozialminister bleiben"

Gefragt, ob sie Hundstorfer nicht für geeignet halte, sagt Sozial- und Frauenstadträtin Schröck zum STANDARD: "Im Gegenteil, aber ich würde es sehr schade finden, wenn der Rudi Hundstorfer nicht mehr Minister ist, er soll bitte Sozialminister bleiben."

Beim Bundespräsidenten gehe es "nicht um Parteipolitik", sagt die Grazer SPÖ-Chefin, die auch bei ihrer letzten Plakat-Kampagne die Konzentration auf Parteipolitik infrage stellte und selbst bei der vergangenen Wahl mit 15 Prozent das historisch schlechteste Ergebnis der Grazer SPÖ einfuhr. Der Bundespräsident müsse "eine moralische Instanz sein", so Schröck weiter. Van der Bellen, den sie immer schon geschätzt habe, könne diese Instanz sein. "Ich habe seine Grundsätze und Werthaltungen schon immer zu einem großen Teil geteilt, nur beim Thema Studiengebühren waren wir anderer Meinung", so die 38-jährige Politikerin. "Er ist ein authentischer Mensch und einer, der sich auch einmal traut, zu sagen, dass er etwas nicht weiß", streut Schröck dem grünen, aber unabhängigen Kandidaten rote Rosen.

Entscheidung zwischen den Lagern

Bei der Wahl des Bundespräsidenten gehe es um eine Entscheidung zwischen dem konservativen Lager, dem nicht konservativen bzw. jenem links der Mitte. Und in diesem Richtungsstreit gehöre Van der Bellen zu ihrem Lager, "immerhin hat er seine politische Karriere beim VSSTÖ begonnen", argumentiert Schröck.

Eher zugeknöpft gibt man sich in der Landes-SPÖ: Landesrat Jörg Leichtfried sagt, er äußere sich "grundsätzlich nicht öffentlich zu Personalangelegenheiten" und die Entscheidung seiner Partei werde ohnehin bald fallen.

Schickhofer: "Hundstorfer geerdeter Bundespräsident"

Der Landeshauptmannstellvertreter und designierter Parteivorsitzender der SPÖ-Steiermark, Michael Schickhofer, der am 23. Jänner in Spielberg am Landesparteitag als Parteichef bestätigt werden soll, rüttelt wie Häupl und Kaiser nicht an Hundstorfer. "Für mich ist Rudi Hundstorfer ein hervorragender Sozialminister", sagt Schickhofer am Samstag dem STANDARD, "ich teile die Meinung sehr vieler innerhalb der Sozialdemokratie inklusive des Bundeskanzlers, dass Hundstorfer auch ein sehr menschlicher, geerdeter Bundespräsident wäre, der Österreich auch international voranbringen würde". (Colette M. Schmidt, 9. 1. 2016)

  • Martina Schröck lobt Van der Bellen als "authentisch" und will ihn als Bundespräsident sehen.
    foto: stadt graz

    Martina Schröck lobt Van der Bellen als "authentisch" und will ihn als Bundespräsident sehen.

  • Ihre Parteikollegen stehen aber hinter dem roten Rudolf Hundstorfer.
    foto: apa/helmut fohringer

    Ihre Parteikollegen stehen aber hinter dem roten Rudolf Hundstorfer.

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