"Stolen": Eine App, für die man sich entschuldigt

17. Jänner 2016, 10:20
43 Postings

Bekennertweets machen die Runde, auf Twitter werden Nutzer spielend gesammelt und gehandelt – Mitte der Woche wurde "Stolen" aus dem App Store genommen

Seltsame Bekennertweets findet man dieser Tage auf Twitter. "Ich habe gerade XY gestohlen." Hashtag #StolenOnStolen. Man staunt. Welcher Dieb gibt seine Tat schon gerne öffentlich zu? Manche Twitter-Nutzer, die genannt werden, fügen sich skeptisch ihrem Schicksal. Andere wiederum freuen sich, weil es ja irgendwie lustig klingt. Wie der Name der dazugehörigen App – "Stolen! Collect & trade your favorite people on Twitter!" – verrät, dreht sich bei diesem Spiel alles um das Sammeln und Handeln von Twitter-Nutzern.

Die App ist eine Art Börse, gehandelt wird in "§". US-Präsidentschaftskandidat Donald J. Trump ist Freitagabend 574.756.079 "§"-Münzen wert und gehört einem gewissen Joshua Turner. Auf Platz zwei der Top-"Stolen" ist die Sängerin Taylor Swift (218.834.951 §).

Links die Top-Liste, rechts eine Kollektion mit "Tagesschau" und Astronaut Hadfield.

Astronauten kaufen, Medien sammeln

Man kann sich zum Beispiel einen kanadischen Astronauten kaufen. Chris Hadfield, der 2013 auf der ISS fleißig twitterte. Oder sich selbst ein kleines Medienimperium aufbauen: "Tagesschau", BBC News, "Zeit online", "Süddeutsche Zeitung" waren im Anfängerbudget drinnen. Schnell weg war der "Tatort", Michael Paul Cyriax vom Schweizer Sender SRF wollte ihn haben.

Manche Nutzer der App meinen, sie mache süchtig. Die Macher selbst entschuldigen sich im iTunes-Store dafür, sie überhaupt veröffentlicht zu haben: "Jede andere App ist besser, nehmt stattdessen diese." Wer handeln möchte, braucht einen Code. Den anderen kann die App ohnehin gestohlen bleiben. (sb, 10.1.2015)

Update 17.1.2016: Nach Beschwerden wurde die App aus dem App Store genommen. Kritisiert wurde etwa, dass Twitter-Nutzer nicht die Möglichkeit hatten, dem Spiel auf "Stolen" mit dem eigenen Account die Zustimmung zu verweigern. Kongressabgeordnete Katherine Clarke äußerte in Briefen an Apple und Twitter auch Bedenken, dass die App Mobbing ermögliche. Siqi Chen, CEO von "Hey", dem Unternehmen das hinter "Stolen" steckt, sagte in einer Mitteilung an "Fortune", man wolle das Richtige tun.

Share if you care.