Kunstmarktbilanz 2015: Zwischen Jammern und Jodeln

9. Jänner 2016, 12:00
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Bei konkreten Umsatzzahlen ermattet die Kommunikationsfreude des Kunsthandels. Indikatoren liefert die Außenhandelsstatistik, wonach der Export von Kunst kräftig stieg

Die Stimmung auf dem heimischen Kunstmarkt schwankt zwischen trübsinnigem Gejammer und zweckoptimistischem Gejodel. Das war in der vergangenen Saison nicht anders als in den Jahren davor, die Realität ist stets in der Mitte angesiedelt. Gewiss ist, dass der Verkauf von Kunst, besonders in dem in Österreich hauptsächlich gehandelten Segment der Mittelware (bis 50.000 Euro), mittlerweile eine zähe Angelegenheit ist: sowohl für Kunsthändler und Galerien als auch für die Auktionshäuser, wo traditionell etwa die Hälfte des jährlichen Angebotes unverkauft bleibt.

Dabei geht es der Branche hierzulande nicht schlecht. Die Gewinnmargen mögen sinken, aber wirtschaftliche Bruchlandungen bis hin zu Konkursverfahren sind die Ausnahme. Das zeugt zumindest von einer gewissen Stabilität. Bei Indikatoren wie Jahresumsätzen ermattet die Kommunikationsfreude des Kunsthandels naturgemäß sehr schnell. Allenfalls wird derlei von Auktionshäusern geliefert. Wenn überhaupt.

Der aus Versteigerungen erzielte Gesamtumsatz im Dorotheum? Fehlanzeige, seit Jahren hüllt sich "eines der ältesten und größten Auktionshäuser der Welt" dazu in Schweigen. Im internationalen Vergleich hat man sich damit in eine isolierte Position manövriert, die angesichts der Eigenvermarktung überaus kleingeistig wirkt. "Das mit Abstand größte Auktionshaus im deutschen Sprachraum, führend in Mitteleuropa", will diese Kennzahl nicht veröffentlichen. Statt sich souverän dem Vergleich mit Bilanzen anderer privater Auktionshäuser zu stellen, pflegt man diese provinzielle Attitüde.

Dorotheum geizt mit Zahlen

Die Konsequenz: In den Statistiken globaler Kunstmarktökonomen spielt das Dorotheum keine Rolle. Ob Artcurial (Paris), das seinen Auktionsumsatz (exkl. Private Sales) innert fünf Jahren auf 191 Millionen Euro verdoppelte, dem Dorotheum längst den Rang abgelaufen hat, bleibt eine Mutmaßung. In Ermangelung solch wesentlicher Messziffern wird Österreich auf internationaler Ebene zur Fußnote verdonnert. Ein Image, das der hiesige Marktplatz nun wirklich nicht verdient hat, zumal er längst ein höheres Wertvolumen verwaltet als Italien.

Was bleibt, sind tageweise erzielte und zu addierende Umsätze: Allein die in den vier Auktionswochen notierten summierten sich (exkl. Nachverkauf) 2015 auf 72,29 Millionen Euro (2014: 62,19 Mio., 2013: 58,71 Mio.). Den höchsten Zuschlag verzeichnete das Dorotheum nicht für ein Kunstwerk, sondern für einen Oldtimer (1963 Shelby Cobra, 1,01 Mio.). Davon abgesehen spielte zeitgenössische Kunst so viel ein wie nie zuvor.

Den Top-Zuschlag 2015 darf sich "im Kinsky" an die Fahnen heften: 2,6 Millionen Euro erzielte man für ein Blumenstück Jan Brueghels d. J., ein Wert, der auch international Anerkennung fand.

Insgesamt summierten sich die Kinsky-Erlöse aus Versteigerungen und Private Sales auf 26 Millionen Euro (2014: 25,2 Mio.).

Einen Einblick in die Realität des Marktes gewährt immerhin die Außenhandelsstatistik, die den Warenverkehr mit Drittstaaten (Zolldeklarationen, "Extrastat") sowie mit EU-Ländern (Direkterhebung Statistik Austria, "Intrastat") erfasst. Letztere Ergebnisse werden um "schwellenbedingte Zuschätzungen" ergänzt, da Unternehmen erst ab einem bestimmten Handelsvolumen meldepflichtig sind.

Kunstexport stieg deutlich

Für 2015 liegen derzeit nur vorläufige Ergebnisse für Jänner bis inklusive September vor: Demnach wurden in diesem Zeitraum Kunstgegenstände, Sammlungsstücke und Antiquitäten im Wert von 134,84 Millionen Euro importiert (2014: 133,51 Mio.) sowie im Wert von 139,24 Millionen exportiert (2014: 115,45 Mio.). Innerhalb der EU belief sich das Handelsvolumen bei Einfuhren auf 57,55 (2014: 82,53 Mio.) und bei Ausfuhren auf 32,96 Millionen Euro (2014: 23,27 Mio.).

Bei Verkäufen ins Ausland führen die Vereinigten Staaten mit 40,67 Millionen Euro (2014: 27,63 Mio.) das Nationenranking an, gefolgt von der Schweiz mit 31,33 (2014: 25,75 Mio.) sowie dem Vereinigten Königreich mit 13,32 Millionen Euro (2014: 1,8 Mio.). Und nach Japan (8,76 Mio. ggb. 4,94 Mio. 2014) wanderte mehr Kunst ab als nach Deutschland (8,2 Mio. ggb. 12,51 Mio. 2014). (Olga Kronsteiner, Album, 9.1.2016)

  • Top-Zuschlag 2015: 2,6 Mio. Euro bewilligte ein ausländischer Privatsammler für dieses Blumenstück von Jan Brueghel d. J.

    Top-Zuschlag 2015: 2,6 Mio. Euro bewilligte ein ausländischer Privatsammler für dieses Blumenstück von Jan Brueghel d. J.

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