Forscher wollen Kometenlander Philae buchstäblich wachrütteln

9. Jänner 2016, 10:02
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Projektleiter: "Die Zeit wird knapp, deshalb wollen wir alle Möglichkeiten ausschöpfen"

Köln – Die Zeit wird knapp, doch noch einmal Kontakt mit dem Kometenlander Philae aufzunehmen. An diesem Wochenende wollen Wissenschafter einen der letzten Versuche unternehmen, das Landegerät auf dem Kometen Tschuri buchstäblich wachzurütteln: Am Sonntag soll ein Drallrad im Inneren des Landers in Bewegung versetzt werden, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln mitteilte.

"Im besten Fall rüttelt Philae sich dadurch frei, Staub auf den Solarpaneelen fällt ab, und er steht besser zur Sonne ausgerichtet", erläuterte der technische Projektleiter Koen Geurts. Im schlechtesten Fall empfängt der Lander die Kommandos des DLR-Teams nicht. "Die Zeit wird knapp, deshalb wollen wir alle Möglichkeiten ausschöpfen", erklärte der Philae-Projektleiter Stephan Ulamec vom DLR.

Hintergrund

Der Lander der europäischen Kometenmission Rosetta war am 12. November 2014 als erstes von Menschen geschaffenes Gerät weich auf der Oberfläche eines Kometen gelandet. Allerdings kam die kühlschrankgroße Sonde auf dem "Tschuri" genannten Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko erst nach mehreren Hüpfern an einer schattigen Stelle abseits des ursprünglich geplanten Landeplatzes zum Stehen.

In der Folge bekamen die Sonnensegel von Phiale nicht genug Energie ab – nach nur knapp 60 Stunden wissenschaftlicher Arbeit fiel Philae wegen Energiemangels in einen siebenmonatigen Kälteschlaf. Erst am 13. Juni 2015 meldete sich der Lander erstmals wieder bei seiner Muttersonde Rosetta, die Tschuri umkreist. Nach weiteren Kontaktaufnahmen verstummte Philae am 9. Juli erneut – und schweigt seither.

Das Zeitfenster schließt sich

Für den Lander wird es nun eng: Mit jedem weiteren Tag entfernt sich Tschuri weiter von der Sonne, und die Temperaturen auf der Kometenoberfläche fallen. Laut DLR werden die Bedingungen auf dem Kometen voraussichtlich Ende dieses Monats so "Lander-feindlich" sein, dass Philaes Mission ihr natürliches Ende finden wird.

Sinkt die Betriebstemperatur von Phila" unter minus 51 Grad Celsius, schaltet sich der Lander nicht mehr ein. Die geplante Aktivierung des Drallrades, das Philae seinerzeit während des Abstiegs der Sonde zur Kometenoberfläche stabilisierte, sei eine "kleine Chance", erklärte Cinzia Fantinati vom DLR-Kontrollraumteam . "Wir wollen nichts unversucht lassen."

Die Kommunikationseinheit der Rosetta-Muttersonde wird aber auch noch nach Mitte Jänner eingeschaltet bleiben und weiterhin auf ein Zeichen von Philae horchen. Die Rosetta-Forschungssonde der europäischen Weltraumorganisation ESA wird noch bis September aktiv sein. (APA, red, 9. 1. 2016)

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