Oberstudienräte: Heimische Titelflut "nicht mehr zeitgemäß"

9. Jänner 2016, 12:00
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Pro Jahr werden von Ministerien etwa 600 Berufstitel vergeben, die meisten im Schulbereich. Die Geehrten freuen sich, mehr Gehalt gibt es dafür nicht

Wien – Österreich ist nach wie vor ein Land, in dem Titel hochgeschätzt werden. Von 2013 bis 2015 wurden von den Ministerien 1963 Berufstitel vergeben. In den Ministerien selbst werden Mitarbeiter vor allem als Regierungs- und Hofräte geehrt. Der Großteil der Titel wird aber in den Schulen, als nachgeordnete Dienststellen des Bildungsministeriums, verliehen. In den letzten drei Jahren kamen 1089 Lehrer in den Genuss eines Oberstudienrates. Dazu kommen noch Amtsräte, Schulräte und Professoren. Das sind keine Amtstitel, die etwa auf die Entlohnung Einfluss haben, sondern lediglich Ehrentitel, die mit keinerlei finanziellen Vorteilen verbunden sind.

Generell aber nimmt die Vergabe der Titel in den vergangenen Jahren ab. Wurden 2013 noch 767 Beamte der Ministerien oder der nachgeordneten Dienststellen mit Berufstiteln geehrt, waren es 2014 nur noch 656. Im vergangenen Jahr waren es bis Anfang November nur noch 540 Titel, die vergeben wurden. "Woran das liegt, ist schwer zu sagen", sagt Otto Aigelsperger von der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD). "In den Ministerien gab es zuletzt Maßnahmen, die die Vergabe beschränkt haben." Ministerialbeamte, die in Pension gehen, würden heute nicht mehr automatisch Hofräte werden. Vielleicht gibt es derartige Entwicklungen auch anderswo, mutmaßt Aigelsperger.

25 Jahre bis zum Titel

Auch die Pensionierungswellen im öffentlichen Dienst in den vergangenen Jahren könnten ein Grund für die sinkende Anzahl der Ehrungen darstellen. Denn die dienstälteren Lehrer wurden in den vergangenen Jahren weniger. Immerhin braucht es als Lehrer einer höheren Schule 25 Dienstjahre, um einen Berufstitel mit einem formlosen Schreiben, einem Lebenslauf und einer Begründung für die Verleihung beim Ministerium beantragen zu können. Nach einer Prüfung durch das Ministerium wird der Titel dann vom Bundespräsidenten vergeben.

Zwar unterscheiden sich die notwendigen Dienstjahre je nach Titel, das Prozedere ist aber für andere Berufstitel das gleiche. Auch das Mindestalter von 50 Jahren ist gleich. Einzige Ausnahme bilden Universitätsprofessoren, die schon mit 45 geehrt werden können.

Die Abnahme der verliehenen Titel ist dabei für manche auch ein Grund zur Freude. "Diese Flut an Titeln ist ohnehin nicht mehr zeitgemäß", sagt der Abgeordnete Leopold Steinbichler vom Team Stronach. Historischer Hintergrund des Hofrates ist die Monarchie. Ab 1776 trugen die höchsten Beamten des Kaiserreichs den Titel Hofrat. Diese Bezeichnung wurde zwar 1850 abgeschafft, als Ehrentitel wurde die Bezeichnung aber wieder eingeführt und überlebte so die Monarchie – allerdings nur in Österreich.

Steinbichler hat gemeinsam mit dem fraktionslosen Nationalrat Rupert Doppler parlamentarische Anfragen an alle Ministerien sowie das Bundeskanzleramt gestellt. Bereits letztes Jahr wollte Steinbichler von den Ministerien wissen, wie viele Berufstitel in der Privatwirtschaft vergeben werden. Damals wurde unter anderem bekannt, dass Tobias Moretti auf Vorschlag der Landwirtschaftskammer Steiermark Ökonomierat wurde. Steinbichler sagt: "Wer eine verdienstvolle Karriere hinter sich hat, wird dafür ohnehin finanziell entlohnt. Warum braucht es da noch diesen zusätzlichen Titel?"

Anders sieht man das jedoch bei der GÖD. Aigelsperger sagt: "Die Verleihung der Titel kostet die Republik keinen Cent, und man kann Leuten eine Freude machen. Ich weiß einfach nicht, was da dagegen spricht." (Moritz Ablinger, 9.1.2016)

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