Andreas Khol soll für ÖVP bei Präsidentenwahl kandidieren

8. Jänner 2016, 16:03
1936 Postings

Andreas Khol soll für die ÖVP ins Rennen um die Hofburg gehen. Der Chef des Seniorenbunds soll am Sonntag als Kandidat präsentiert werden. Eine Überraschung, mit der auch in der Partei kaum jemand gerechnet hat.

Wien – Offizielle Nominierung gibt es dafür noch keine, aber am Freitagnachmittag machte ein Gerücht die Runde, das auch hochrangige ÖVP-Mitglieder bestätigten: Andreas Khol, ehemaliger Nationalratspräsident und nunmehriger Chef des ÖVP-Seniorenbundes, soll nach der Absage von Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll in die Bresche springen. Khol soll am Sonntag von der Parteispitze als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten präsentiert werden. Khol selbst wollte dem STANDARD ein Antreten noch nicht bestätigen und gab sich in Bezug auf seine eigenen Ambitionen wortkarg: "Ich sag gar nix – bis nach dem Parteivorstand."

Khol hatte vor ein paar Tagen noch dem niederösterreichischen Landeshauptmann Rosen gestreut und erklärt, dass "die Partei Pröll zu Füßen liegt, wenn er es macht". Aber Pröll macht es nicht, wie Obmann Reinhold Mitterlehner am Donnerstagabend bekanntgab. Mitterlehner erklärte auch, dass er darüber seit Weihnachten Bescheid wisse und so Gelegenheit und Zeit genug gehabt habe, einen anderen Kandidaten zu finden. Der soll nun Andreas Khol heißen. Der 74-Jährige war von 2002 bis 2006 Präsident des Nationalrates, seit 2005 ist der Tiroler Obmann des ÖVP-Seniorenbundes, er ist in dieser Funktion auch Mitglied des Parteivorstands.

Die Nominierung von Khol dürfte für viele in der ÖVP eine Überraschung darstellen, zuletzt waren viele Namen genannt worden, nicht aber der von Khol. Im Gespräch waren etwa der ehemalige EU-Kommissar Franz Fischler und der ehemalige Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad, der derzeit die Regierung als Flüchtlingskoordinator berät.

"Halbert vom Stuhl gefallen"

Die Absage von Pröll hatte die Parteigranden überrascht, gibt ein schwarzer Grande zu. Und zwar dermaßen, dass "einige von uns" bei der ZiB 2 "halbert vom Stuhl gefallen sind", erzählt ein anderer aus der Partei. Ex-Raiffeisen-General Christian Konrad hat das Ereignis beim berüchtigten Sauschädlessen mitverfolgt. Auch dort, berichtet er dem STANDARD: viele verdutzte Gesichter.

Pröll hatte seine "Lebensplanung" als Begründung genommen, im Grunde war er immer bei dieser Darstellung geblieben, wie er am Freitag auch im Gespräch mit dem STANDARD klarstellte.

Mitterlehner beteuerte, er habe nach Prölls Absage "den besten Kandidaten gefunden" und werde ebendiesen am Sonntag dem Vorstand vorschlagen. Sehr lange blieb Mitterlehners Personalwahl allerdings nicht geheim, auch wenn es am Freitag keine Bestätigung von offizieller Seite dafür gab. Und Khol selbst schwieg.

Absagereigen

Zuvor hatte es reihenweise Absagen gegeben. Zuerst Konrad ("ehrenvoll, aber Humbug"). Dann Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer. Nach ihm winkten der frühere EU-Kommissar Franz Fischler und Othmar Karas, ÖVP-Delegationschef im EU-Parlament, ab.

Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl, selbst als Kandidat gehandelt, sagte auf die Frage des STANDARD, ob die zweite Wahl nun auf ihn gefallen sei: "Ich werde mich vor dem Parteivorstand in keiner Weise äußern. Am Sonntag wird der Parteiobmann seine Überlegungen dazu mitteilen." Die dürften allerdings keine Überraschung mehr sein. (red, 8.1.2016)

  • Der Chef des Seniorenbundes soll für die ÖVP kandidieren.
    foto: standard/cremer

    Der Chef des Seniorenbundes soll für die ÖVP kandidieren.

Share if you care.